19 Juni 2026 · Aebischer Sofie
Fluginsekten, Vorratsschädlinge
Motten gehören zur Ordnung der Schmetterlinge, einer der artenreichsten Insektengruppen der Schweiz mit mehr als 3'700 Vertretern. Im Gegensatz zu ihren farbenfrohen Verwandten, den Tagfaltern, sind die meisten Mottenarten unauffällig gefärbt und überwiegend nachtaktiv. Die grosse Mehrheit lebt unbemerkt im Freiland, einige Arten können jedoch als Schädlinge relevant werden.
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Dieser Beitrag stellt die wichtigsten Mottenarten der Schweiz vor und zeigt, wie sie erkannt werden können, wo sie vorkommen und welche Schäden sie verursachen.
Name: Plodia interpunctella
Flügelspannweite: 16 – 20 mm
Aussehen: Vorderflügel zweifarbig: Innere Hälfte hellgrau bis ockergelb, äussere Hälfte kupferrot bis bronze. Hinterflügel hell- bis silbriggrau.
Vorkommen: Küchen, Vorratsschränke, Speisekammern, Bäckereien, Lebensmittelbetriebe, Lagerhäuser und Silos.
Larven: Weisslich bis cremefarben mit bräunlichem Kopf, bis 12 – 15 mm lang. Leben direkt im Lebensmittel und spinnen feine, klebrige Gespinste, die Nahrung, Verpackungen und Oberflächen miteinander verbinden.
Entwicklung: Larven schlüpfen in trockenen Lebensmitteln. Vor der Verpuppung verlassen sie oft das Nahrungsmittel und wandern an Wänden oder Decken entlang, wo sie sich in Ritzen und Ecken verpuppen.
Schäden: Befällt Trockenfrüchte, Erdnüsse, Mandeln, Kakaoerzeugnisse, Getreideprodukte, Gewürze, Sämereien und Tierfutter. Frass, Gespinste und Kot führen zur Verunreinigung und Zerstörung der befallenen Produkte. Sie verklumpen, werden hygienisch unbrauchbar und müssen meist vollständig entsorgt werden.
Besonderes: Eine der häufigsten Lebensmittelmotten der Schweiz und einer der bedeutendsten Vorratsschädlinge weltweit. Ein Befall entsteht oft durch eingeschleppte Ware (z. B. bereits befallene Nüsse oder Trockenfrüchte).
Die Larven können Verpackungen aus Papier oder dünnem Kunststoff durchdringen und dadurch auch verschlossene Produkte befallen. Falter leben nur wenige Wochen und nehmen keine Nahrung mehr auf. Der Schaden entsteht ausschliesslich im Larvenstadium.
Name: Ephestia kuehniella
Flügelspannweite: 20 – 22 mm
Aussehen: Vorderflügel blaugrau mit gezackten dunklen Querbinden und einer Reihe dunkler Punkte entlang des Flügelrandes. Hinterflügel grau mit deutlicher Fransensäumung.
Vorkommen: Mühlen, Bäckereien, Getreidelager, Lebensmittelbetriebe sowie Vorratsschränke in Haushalten.
Larven: Cremeweiss bis leicht rosa, brauner Kopf, bis ca. 20 mm lang. Leben im Mehl und bilden dichte Gespinste, die Produkte und Oberflächen überziehen.
Entwicklung: Entwicklung direkt im Nahrungsmittel (Mehl, Getreideprodukte). Verpuppung in einem festen, seidenartigen Kokon innerhalb des befallenen Materials oder an angrenzenden Flächen.
Schäden: Befällt Mehl, Kleie, Schrot, Getreideflocken, Nüsse und weitere getreidehaltige Produkte. Verklumpungen durch Gespinste, Qualitätsverlust von Rohstoffen, Kontamination von Lebensmitteln sowie technische Probleme in Anlagen (z. B. verstopfte Siebe und Förderwege). Bei starkem Befall kann die Stoffwechselwärme der Larven zudem zu einer Erwärmung des Lagerguts führen.
Besonderes: Früher einer der bedeutendsten Schädlinge in Mühlen. Durch moderne Anlagen und verbesserte Hygienemassnahmen heute weniger problematisch, allerdings immer noch relevanter Vorratsschädling.
Name: Ephestia elutella
Flügelspannweite: 14 – 17 mm
Aussehen: Vorderflügel grau bis braungrau mit wellenförmigen, dunkel gesäumten Querbinden. Hinterflügel hellgrau mit deutlicher Fransensäumung.
Vorkommen: Lagerhäuser, Lebensmittelbetriebe, Verarbeitungsbetriebe, Tabaklager sowie Vorratsräume in Privathaushalten.
Larven: Weisslich bis cremefarben mit bräunlichem Kopf, bis ca. 12 – 15 mm lang. Stark gespinntbildend und überziehen befallene Produkte mit feinen, dichten Fäden.
Entwicklung: Entwicklung in trockenen Lebensmitteln und Tabakwaren. Zur Verpuppung verlassen die Larven das Material und ziehen sich in Ritzen, Ecken oder Verpackungsbereiche zurück, wo sie einen Kokon bilden.
Schäden: Befällt insbesondere Kakaobohnen, Schokolade, Nüsse, Getreideprodukte, Trockenfrüchte, Tabakwaren, Gewürze sowie verschiedene pflanzliche Lagerprodukte. Frassschäden und starke Gespinstbildung führen zur Verklumpung und Verunreinigung von Lebensmitteln oder Rohstoffen. Diese sind meist nicht mehr verkaufs- und verzehrfähig.
Besonderes: Auffällig ist ihre Fähigkeit, auch in sehr trockenen Produkten stabile Populationen aufzubauen. Larven können Tabak verwerten, da sie durch spezielle Darmmikroorganismen im Vergleich zu anderen Arten das giftige Nikotin abbauen können.
Name: Sitotroga cerealella
Flügelspannweite: 14 – 19 mm
Aussehen: Vorderflügel stroh- bis lehmgelb, ohne auffällige Zeichnung. Hinterflügel hellgrau und schmal, mit langen Fransen entlang der Flügelränder.
Vorkommen: Getreidelager, Silos, Mühlen und landwirtschaftliche Betriebe. In wärmeren Regionen auch bereits im Feld, in der Schweiz vor allem als Lagerschädling.
Larven: Gelblich-weiss, sehr klein und schlank. Leben vollständig versteckt im Inneren des Getreidekorns und sind von aussen nicht sichtbar.
Entwicklung: Entwicklung findet vollständig im Getreidekorn statt. Weibchen legen die Eier direkt auf einzelne Körner ab. Nach dem Schlupf bohrt sich die Larve sofort ins Korn ein und entwickelt sich dort bis zum Falter.
Schäden: Befällt sämtliche Getreidearten, besonders häufig Mais und Weizen. Aushöhlung der Getreidekörner von innen, dadurch Verlust von Gewicht, Keimfähigkeit und Qualität. Bei starkem Befall können erhebliche Ernte- und Lagerverluste auftreten.
Besonderes: Einer der am schwierigsten erkennbaren Vorratsschädlinge. Ein Befall bleibt häufig lange unentdeckt, da keine Gespinste an der Oberfläche entstehen. Schäden werden oft erst bei der Verarbeitung, Reinigung oder Qualitätskontrolle sichtbar.
Name: Endrosis sarcitrella
Flügelspannweite: 15 – 20 mm
Aussehen: Vorderflügel hellbraun bis graubraun mit unregelmässiger Zeichnung. Auffällig sind die weissen Schuppen im Kopf- und Schulterbereich. Hinterflügel hell- bis braungrau mit feiner Fransensäumung.
Vorkommen: Wohnungen, Keller, Dachböden, Lagerräume, Getreidelager, Ställe sowie Bereiche mit organischen Rückständen. Häufig auch in Vogel- oder Wespennestern.
Larven: Cremeweiss bis gelblich mit braunem Kopf, bis ca. 10 – 12 mm lang. Leben in selbst gesponnenen Röhren oder Gespinsten und bewegen sich geschützt innerhalb dieser Strukturen.
Entwicklung: Entwicklung in organischem Material wie Getreide oder Pilzen, aber auch in abgestorbenem organischem Material (Staub, Rückstände, Vogelnester). Verpuppung in einem seidenen Kokon direkt im oder nahe beim Nahrungsbereich.
Schäden: Verunreinigung und Zersetzung von Vorräten (Getreide, Trockenfrüchte, Tierfutter) sowie gelegentlich Wolle und andere Textilien.
Besonderes: Typischer "Materialfolger". Tritt häufig dort auf, wo organische Rückstände oder ältere Ablagerungen vorhanden sind. Kann dadurch auch als Hinweis auf versteckte Hygienemängel oder unentdeckte Nahrungsquellen dienen.
Name: Hofmannophila pseudospretella
Flügelspannweite: 17 – 26 mm
Aussehen: Vorderflügel bronzebraun bis dunkelbraun mit drei bis vier dunklen Flecken sowie weiteren Randzeichnungen. Hinterflügel hellgrau bis bräunlich-grau, deutlich heller als die Vorderflügel.
Vorkommen: Wohnungen, Keller, Dachböden, Lagerräume, Scheunen, Ställe und Vogelnester. Sowohl im Innen- als auch im Aussenbereich, bevorzugt jedoch feuchte und ungestörte Bereiche.
Larven: Schmutzig weiss bis cremefarben mit braunem Kopf, bis ca. 15 – 20 mm lang. Sehr robust, leben versteckt in Substraten oder Gespinsten und können sich in unterschiedlichen Materialien entwickeln.
Entwicklung: Entwicklung in trockenem organischem sowie in keratinhaltigen Materialien. Larven überwintern häufig und legen kurz vor der Verpuppung teils grössere Strecken zurück, um geeignete Verpuppungsorte zu finden.
Schäden: Befällt Vorräte wie Getreide, Haferflocken, Hülsenfrüchte, Mehl und Tierfutter. Zusätzlich Schäden an Leder, Wolltextilien, Polstern und Federn durch Frass und Gespinste.
Besonderes: Sehr anpassungsfähige Art und gleichzeitig Vorrats- und Materialschädling. Bevorzugt hohe Luftfeuchtigkeit (ca. 80 %) und tritt daher häufig in feuchten, schlecht belüfteten Bereichen auf.
Name: Tineola bisselliella
Flügelspannweite: 12 – 16 mm
Aussehen: Vorderflügel gelblich bis goldbeige, seidig matt und ohne Zeichnung. Hinterflügel hellgrau bis graugelb, schmal mit langen Fransen.
Vorkommen: Kleiderschränke, Teppiche, Polstermöbel, Dachböden, Keller sowie andere dunkle und ruhige Bereiche. Im Freiland in Vogelnestern und gelegentlich an Tierkadavern.
Larven: Gelblich-weiss mit braunem Kopf, bis ca. 10 mm lang. Bilden feine Gespinste aus Seide, Fasern und Kot und halten sich bevorzugt in geschützten Zonen wie unter Möbeln, in Teppichrändern oder Kleidungsfalten auf.
Entwicklung: Weibchen legen ihre Eier direkt auf geeignete Materialien ab. Die Larven ernähren sich von keratinhaltigen Stoffen und entwickeln sich über mehrere Monate. Verpuppung meist innerhalb ihrer Gespinste.
Schäden: Befällt keratinhaltige Materialien wie Wolle, Pelze, Federn, Haare, Filz und Felle. Typisch sind Lochfrass in Textilien sowie Haarausfall bei Pelzen. Gefährdet sind verschmutzte Materialien, da Schweiss-, Fett- und Urinrückstände zusätzliche Nährstoffe liefern. Reine Baumwolle wird dagegen in der Regel nicht befallen, weshalb Löcher in Baumwoll-T-Shirts andere Ursachen haben.
Besonderes: Männchen sind deutlich flugaktiver als Weibchen, die eher laufend neue Eiablageplätze suchen. UV-Strahlung und direktes Sonnenlicht wirken auf alle Entwicklungsstadien schädigend.
Name: Tinea pellionella
Flügelspannweite: 11 – 17 mm, Männchen wesentlich kleiner als Weibchen
Aussehen: Vorderflügel graugelb bis hellbraun mit dunklen Flecken. Hinterflügel hellgrau, einfarbig und deutlich heller als Vorderflügel.
Vorkommen: Kleiderschränke, Lagerräume, Museen, Sammlungen sowie Vogelnester im Freiland. In Innenräumen deutlich seltener als die Kleidermotte.
Larven: Cremeweiss bis gelblich mit braunem Kopf, bis ca. 10 mm lang. Leben in einer tragbaren Gespinströhre ("Köcher"), die sie aus Seide und Materialfasern selbst bauen und ständig mit sich führen (siehe Bild).
Entwicklung: Die Weibchen legen ihre Eier direkt auf geeignete Materialien ab. Die Larven entwickeln sich vollständig innerhalb ihres Köchers, ebenso erfolgt die Verpuppung meist darin.
Schäden: Befällt Pelze, Wolle, Federn, Felle und andere keratinhaltige Materialien. Schäden zeigen sich durch Lochfrass, ausgedünnte Stellen und Haarverlust bei Pelzen.
Besonderes: Benötigt eine höhere Luftfeuchtigkeit als die Kleidermotte und kommt daher in Wohnräumen seltener vor. Der charakteristische Köcher dient den Larven als Schutz vor Austrocknung und Fressfeinden.
Die meisten Nachtfalterarten in der Schweiz leben ausschliesslich im Freiland und sind nicht als Schädlinge einzuordnen. Sie besiedeln unterschiedliche Lebensräume wie Wälder, Wiesen und alpine Regionen und übernehmen dort wichtige ökologische Funktionen.
Viele Arten wirken als Bestäuber und dienen gleichzeitig als Nahrungsquelle für Tiere wie Fledermäuse, Vögel und Spinnen.
Daneben gibt es auch einige Arten, die ausserhalb von Gebäuden Schäden verursachen können.
Dazu zählt beispielsweise der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea), dessen Raupen Eichenblätter fressen. Ihre Brennhaare können beim Menschen zudem Hautreizungen, Augenentzündungen und Atemwegsbeschwerden auslösen.
Ebenfalls bekannt ist der Buchsbaumzünsler (Cydalima perspectalis), eine ursprünglich aus Ostasien stammende Art. Seine Raupen können Buchsbäume innerhalb kurzer Zeit stark schädigen oder vollständig entlauben, was häufig zum Absterben der Pflanzen führt.
Der Graue Lärchenwickler (Zeiraphera griseana) ernährt sich von den Nadeln der Lärche. Bei periodischen Massenvermehrungen kann es zu grossflächigen Kahlfressereignissen kommen, wodurch ganze Waldbestände vorübergehend entnadelt werden. Die Art gilt daher als einer der wichtigsten Forstschädlinge der Alpen.
Insgesamt zeigt sich die grosse Bandbreite innerhalb der Schmetterlinge (Lepidoptera). Von unauffälligen, ökologisch wichtigen Nachtfaltern in Wäldern und Wiesen bis hin zu Vorrats-, Material-, Garten- und Forstschädlingen. Die hier vorgestellten Arten bilden dabei nur einen kleinen Ausschnitt der vielfältigen Falterfauna der Schweiz.