26 Juni 2026 · Aebischer Sofie
Fluginsekten
Aktuell sorgt der Eichenprozessionsspinner (EPS) in der Schweiz vermehrt für Aufmerksamkeit. Die feinen Brennhaare seiner Raupen können bei Menschen und Tieren gesundheitliche Beschwerden auslösen. Doch woran erkennt man diesen Nachtfalter und was sollte man bei einem Verdacht beachten?
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Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist ein einheimischer Nachtfalter aus der Familie der Zahnspinner und kommt seit langer Zeit in Europa vor. Auch in der Schweiz ist die Art bekannt, wobei in den letzten Jahren häufiger Befälle beobachtet wurden.
Die erwachsenen Falter sind eher unauffällig und besitzen graubraune bis grauweisse Flügel mit einer Spannweite von etwa 2,5 bis 3 cm. Als Falter nehmen sie keine Nahrung mehr auf und leben nur noch etwa 3 bis 10 Tage. In dieser kurzen Zeit dienen sie ausschliesslich der Paarung und der Eiablage.
Ihren Namen verdankt die Art dem typischen Verhalten ihrer Raupen: Diese bewegen sich häufig in langen Reihen hintereinander fort, in sogenannten Prozessionen.
Die Weibchen legen ihre Eier bevorzugt an Ästen und Zweigen verschiedener Eichenarten ab. Dort überwintern sie, bevor die Raupen im drauffolgenden Frühling schlüpfen, meist gerade zeitgleich mit dem Austrieb der jungen Eichenblätter.
Anfangs sind die Raupen noch klein und eher unauffällig. Im Verlauf ihrer Entwicklung erreichen sie eine Länge von bis zu etwa 3 cm und entwickeln eine graubraune Färbung mit helleren Bereichen an den Seiten sowie feine, längere Haare entlang ihres Körpers.
Die Raupen ernähren sich von Eichenblättern und treten oft in grossen Gruppen auf. Mit zunehmendem Wachstum steigt ihr Nahrungsbedarf, wodurch es bei starkem Befall zu deutlichem Blattverlust oder Kahlfrass kommen kann. Ein einmaliger Befall führt meist nicht direkt zum Absterben eines Baumes. Wiederholte Schäden können Eichen jedoch schwächen und anfälliger für Krankheiten oder weitere Schädlinge machen.
Im weiteren Verlauf bilden die Raupen auffällige Gespinstnester an Baumstämmen und stärkeren Ästen. Darin sammeln sich neben Raupen auch Häutungsreste und andere Rückstände an.
Das Gesundheitsrisiko für Menschen ist vor allem zwischen Mai und Juli am grössten. In dieser Zeit entwickeln die Raupen ab dem dritten Larvenstadium feine Brennhaare, welche das Nesselgift Thaumetopoein enthalten. Diese Haare können sich leicht lösen und durch Wind über grössere Distanzen verbreitet werden. Zudem behalten sie ihre Toxizität über mehrere Jahre.
Kommen Menschen oder Tiere mit diesen Haaren in Kontakt, können sie in die Haut eindringen, abbrechen und das Gift freisetzen. Häufig treten dadurch Hautreaktionen wie Rötungen, Juckreiz oder Ausschläge auf. Die Beschwerden können optisch anderen Insektenstichen ähneln.
Auch Reizungen der Augen oder Atemwege sowie Beschwerden wie Husten, Schwindel, Müdigkeit oder Fieber sind möglich. In seltenen Fällen können stärkere allergische Reaktionen auftreten.
Auch Tiere können betroffen sein. Zum Beispiel Hunde, die beim Schnüffeln oder beim Kontakt mit Gras und Pflanzen in der Nähe befallener Bäume mit den Brennhaaren in Berührung kommen.
Der Eichenprozessionsspinner ist in der Schweiz einheimisch und wurde bis zur Jahrtausendwende hauptsächlich in der Genferseeregion, im Wallis sowie auf der Alpensüdseite beobachtet. Mittlerweile werden jedoch auch aus weiteren Regionen vermehrt Befälle gemeldet.
Aktuelle Meldungen zeigen, dass der Schädling inzwischen auch in weiteren Teilen der Schweiz auftritt. So wurde zuletzt erstmals ein grösserer Befall eines Eichenwaldes in der Ostschweiz festgestellt. Dies deutet darauf hin, dass sich das Verbreitungsgebiet zunehmend ausdehnt. (Eichenprozessionsspinner so häufig wie noch nie - Wissen - SRF)
Als wärmeliebende Art profitiert der Eichenprozessionsspinner vermutlich von steigenden Temperaturen im Zuge des Klimawandels. Zusätzlich können mildere Winter und trockene Frühlinge seine Entwicklung begünstigen. (Rosemann, S. & Rosemann, B. (2023)) Bevorzugt besiedelt er warme und trockene Standorte mit Eichen, beispielsweise Waldränder, Einzelbäume oder Parkanlagen.
Bei einem möglichen Befall sollte der Kontakt mit Raupen und Gespinsten unbedingt vermieden werden. Die feinen Brennhaare können sich bereits in der Umgebung befinden und gesundheitliche Beschwerden verursachen.
Es wird empfohlen, Abstand zum betroffenen Baum zu halten sowie Kinder und Haustiere fernzuhalten. Raupen oder Nester sollten keinesfalls berührt werden. Auch von eigenen Bekämpfungs- oder Entfernungsversuchen wird abgeraten, da sich dabei grosse Mengen an Brennhaaren lösen und weiter verbreiten können.
Eine gesetzliche Meldeplicht besteht in der Schweiz nicht. Auffällige Gespinstnester oder mögliche Befälle sollten dennoch gemeldet werden, damit die Situation fachgerecht beurteilt und entsprechende Massnahmen eingeleitet werden können. Im Wald ist dafür in der Regel der lokale Forstdienst beziehungsweise die zuständige Waldschutzstelle verantwortlich: Adressliste der kantonalen Waldschutzbeauftragten. Im Siedlungsraum oder in privaten Gärten können Gemeinden beziehungsweise öffentliche Dienste kontaktiert werden.
Falls bereits Kontakt mit den Brennhaaren stattgefunden hat, sollten betroffene Hautstellen möglichst rasch und gründlich mit Wasser abgewaschen werden. Am besten ist es, sich direkt zu duschen und auch die Haare gründlich zu waschen, da sich die Brennhärchen auf Haut und Haaren festsetzen können. Reiben oder Kratzen sollte vermieden werden.
Getragene Kleidung sollte möglichst schnell gewechselt und gewaschen werden, da sich Brennhaare darin festsetzen können. Kühlende Umschläge können zudem als angenehm empfunden werden und Hautreizungen lindern.
Treten stärkere Beschwerden auf, beispielsweise Atemprobleme, Reizungen der Augen oder ausgeprägte allergische Reaktionen, sollte medizinisches Fachpersonal aufgesucht werden. Betroffene Haustiere sollten tierärztlich untersucht werden. Beschwerden können mehrere Tage bis hin zu ein bis zwei Wochen anhalten.
Besonders in Bereichen mit vielen Eichen, wie Parks, Gärten oder Waldrändern, lohnt sich ein aufmerksamer Blick. Auffällige Gespinstnester oder mögliche Befälle sollten nicht ignoriert werden. Durch einen vorsichtigen Umgang und eine frühzeitige Meldung können mögliche Gesundheitsrisiken reduziert und Situationen fachgerecht beurteilt werden.