28 Oktober 2026 · Ryser Selina

Fluginsekten

Warum sind Wespen und Hornissen im Herbst noch aktiv?

Auch wenn die Temperaturen sinken, sind Wespen und Hornissen häufig noch unterwegs. Warum sind sie im Herbst noch aktiv und wie sollte man sich ihnen gegenüber verhalten?

Eine Wespe sitzt auf einem gelben Herbstblatt, das mit leuchtenden Herbstfarben durchzogen ist.

Lebenszyklus von Wespen

Um das Verhalten von Wespen im Herbst zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf ihren Lebenszyklus. Soziale Wespenstaaten durchlaufen im Jahresverlauf sechs Phasen. Mit den steigenden Temperaturen im Frühling erwachen die überwinternden Königinnen und beginnen mit dem Nestbau. Im Sommer wächst das Wespenvolk, bevor im Spätsommer und Herbst die Fortpflanzung und schliesslich das Absterben des Staates einsetzen.

Im Detail:

März bis Mai
Solitäre Phase: Nach der Überwinterung erwacht die Königin und sucht zunächst nach Nahrung und einem geeigneten Nistplatz. Dort beginnt sie, ein Nest aus einer papierartigen Masse zu bauen, die aus zerkauten Holzfasern und Speichel besteht. Anschliessend legt sie die ersten Eier und versorgt die schlüpfenden Larven zunächst selbst. Sobald die ersten Arbeiterinnen geschlüpft sind, übernehmen diese nach und nach die Aufgaben im Nest.

Mai bis Juni
Kooperative Phase: In dieser Phase unterstützen die ersten Arbeiterinnen die Königin beim Nestbau, bei der Nahrungssuche und bei der Brutpflege. Mit zunehmender Zahl der Arbeiterinnen zieht sich die Königin immer mehr auf die Eiablage zurück und bleibt schliesslich im Nest.

Juni bis August
Soziale Phase: Das Wespenvolk wächst stetig. Die Arbeiterinnen erweitern das Nest, versorgen die Brut und verteidigen den Nistplatz. Die Königin konzentriert sich auf die Eiablage. Im Verlauf des Sommers erreicht das Volk seine grösste Stärke, es können sich bis zu Hunderten von Tieren in einem Nest aufhalten.

Juli bis September
Reproduktionsphase: Im Nest entstehen nun neben weiteren Arbeiterinnen auch männliche Tiere (Drohnen) und Jungköniginnen. Diese verlassen das Nest zur Fortpflanzung. Nach der Paarung suchen sich die begatteten Jungköniginnen geschützte Plätze für die Überwinterung. Je nach Wespenart beginnt in dieser Phase bereits das Absterben des bestehenden Volkes.

September bis Oktober oder noch später
Absterbephase: Die alte Königin stirbt, sowie die Arbeiterinnen und Drohnen sterben nach und nach. Die Jungköniginnen haben das Nest inzwischen verlassen. Je nach Wespenart und Witterung kann ein Wespenstaat unterschiedlich lange aktiv bleiben.

Herbst bis Frühling
Überwinterungsphase: Die begatteten Jungköniginnen überwintern an geschützten Orten, beispielsweise in Spalten oder anderen frostgeschützten Verstecken. Ihr Stoffwechsel wird stark heruntergefahren. Im darauffolgenden Frühling erwachen sie wieder und gründen einen neuen Wespenstaat. Das alte Nest wird nicht erneut besiedelt.

Der zeitliche Ablauf variiert je nach Wespenart und Witterung. Während manche Wespenvölker bereits im September kaum noch aktiv sind, können beispielsweise die Deutsche und die Gemeine Wespe sowie Hornissenvölker bis in den Oktober oder teilweise November hinein aktiv bleiben.

Verhalten im Herbst

Bei milden Temperaturen können die Tiere länger unterwegs sein. Mit dem nahenden Winter gehen die Aktivitäten des Wespenstaates jedoch allmählich zurück. Die meisten Arbeiterinnen überleben den Winter nicht, während die begatteten Jungköniginnen an geschützten Orten überwintern. 

Warum wirken Wespen im Herbst aufdringlicher? Im Spätsommer und Herbst suchen Wespen vermehrt nach zuckerhaltigen Nahrungsquellen. Limonade, Kuchen und reifes Fallobst sind dann besonders attraktiv. Auch Fleisch und andere eiweisshaltige Lebensmittel können Wespen anziehen.

Wenn die alte Königin stirbt und der Wespenstaat sich auflöst, verändert sich das Verhalten der Arbeiterinnen. Sie sind zunehmend auf sich allein gestellt und suchen weiterhin nach Nahrung. Dadurch können sie bei Mahlzeiten im Freien besonders aufdringlich wirken. Das bedeutet jedoch nicht, dass Wespen grundsätzlich aggressiver werden. Häufig kommt es vor allem deshalb zu Begegnungen mit Menschen, weil sich beide dieselben Nahrungsquellen teilen.

Aktuelle Auswirkungen der Erderwärmung

Ein warmer Frühling
Milde Winter und ein früher Frühlingsbeginn können den Lebenszyklus von Wespen beeinflussen. Steigen die Temperaturen bereits im Februar deutlich an, können überwinterte Wespenköniginnen früher aktiv werden und mit dem Nestbau beginnen. Dadurch kann sich auch die Entwicklung des Wespenvolks nach vorne verschieben. Sobald die ersten Arbeiterinnen schlüpfen, übernehmen sie Aufgaben wie Nestbau, Nahrungssuche und Brutpflege, sodass das Volk weiterwachsen kann.

Längere Aktivität im Herbst
Auch im Herbst wirken sich milde Temperaturen auf die Wespenaktivität aus. Die Tiere können länger aktiv bleiben und ihre Nester weiter ausbauen. Bei unseren Einsätzen beobachten wir derzeit teilweise besonders grosse Wespennester. Die milden Temperaturen könnten die Entwicklung der Völker begünstigt haben. Wie gross ein Wespenvolk wird, hängt jedoch auch von der Wespenart, dem Nahrungsangebot und weiteren Umweltbedingungen ab.

Diese Beobachtungen zeigen, wie wichtig es ist, Wespenvölker und ihre Nester fachgerecht einzuschätzen. Denn auch im Herbst können sich noch grosse Völker in oder an Gebäuden befinden.

Was tun bei Wespen und Hornissen im Herbst?

Wespen nisten häufig in Hohlräumen wie Rollladenkästen, Dachböden oder unter Dachziegeln. Manche nutzen auch verlassene Nagetierbaue, andere bauen ihre Nester frei hängend an Bäumen oder in Büschen.

In Nestnähe ist Vorsicht geboten, da Wespen ihr Nest bei Bedrohung verteidigen können. Einfache Verhaltensregeln helfen, das Stichrisiko zu verringern.

Tipps, um Konflikte mit Wespen zu vermeiden

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Ein Wespennest hängt an einem Balken. Darauf sind sehr viele Wespen zu sehen.

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