2 November 2026 · Ryser Selina
Kriechende Insekten
Spinnen zählen nicht zu den klassischen Schädlingen und sind in vielen Fällen sogar nützliche Insektenfresser. Sie bevölkern die Erde bereits seit Millionen von Jahren und sind heute in zahlreichen Lebensräumen anzutreffen. Dennoch sorgt ihre Anwesenheit immer wieder für Unsicherheit oder Unbehagen.
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Allein in der Schweiz gibt es rund 1'000 Spinnenarten, die sich in ihrem Aussehen, ihrer Lebensweise und ihren Lebensräumen unterscheiden. Doch welche Arten gibt es bei uns und woran lassen sie sich erkennen? Wir stellen Ihnen verschiedene Spinnenarten der Schweiz und ihre Besonderheiten vor.
Name: Die Gartenkreuzspinne (Araneus diadematus) gehört zur Familie der Radnetzspinnen. Ihren Namen verdankt sie der charakteristischen, hellen Kreuzzeichnung auf ihrem Hinterleib.
Körpergrösse: Die Weibchen erreichen eine Körperlänge von etwa 12 bis 18 mm, während die Männchen mit rund 5 bis 10 mm deutlich kleiner bleiben. Damit zählt diese Spinne zu den grössten einheimischen Arten der Schweiz.
Aussehen: Die Gartenkreuzspinne ist an den hellen Flecken auf ihrem Hinterleib gut zu erkennen. Diese bilden eine kreuzförmige Zeichnung. Die Grundfärbung kann von hellgelblich über Braun und Rot bis hin zu sehr dunklen Tönen variieren. Auch die Beine weisen eine auffällige hell-dunkle Ringelung auf.
Vorkommen: Die Gartenkreuzspinne ist in ganz Mitteleuropa verbreitet. Am häufigsten trifft man sie bei Waldrändern, in Hecken, auf Wiesen und in Gärten an. Dort baut sie ihre Netze häufig zwischen Sträuchern und anderen Pflanzen.
Besonderes: Die Spinne baut grosse, kreisförmige Netze, mit denen sie Insekten fängt. Bleibt ein Beutetier im Netz hängen, wird es gebissen und mit Spinnseide umwickelt und somit für den Verzehr vorbereitet. Besonders ist auch das Verhalten bei der Paarung: Da die Männchen deutlich kleiner sind als die Weibchen, nähern sie sich deren Netzen vorsichtig. Durch gezieltes Zupfen an den Netzfäden signalisieren sie ihre Anwesenheit. Nach der Paarung kann es vorkommen, dass das Weibchen das Männchen frisst.
Name: Die Grosse Zitterspinne (Pholcus phalangioides) gehört zur Familie der Zitterspinnen (Pholcidae).
Körpergrösse: Der Körper wird etwa 7 bis 10 mm lang. Ihre Beine sind deutlich länger und können eine Spannweite von ungefähr 5 cm erreichen. Dadurch wirkt die Spinne oft grösser, als sie tatsächlich ist.
Aussehen: Ihre Färbung ist meist hellgrau bis gelblich oder hellbraun. Der Körper ist klein und schmal, während ihre acht Beine auffällig lang und dünn sind. Aufgrund ihres Körperbaus wird sie häufig mit den bekannteren Weberknechten verwechselt.
Vorkommen: Die Grosse Zitterspinne ist weltweit verbreitet und lebt in Mitteleuropa hauptsächlich in Gebäuden. Häufig ist sie in Kellern, Badezimmern und anderen geschützten Innenräumen anzutreffen. Dort hält sie sich bevorzugt in ruhigen Ecken, Winkeln und Nischen auf, wo sie ihre Netze ungestört bauen kann. Andere Arten aus der Familie der Zitterspinnen leben auch im Freien, beispielsweise in Höhlen oder an Felsen.
Besonderes: Ihren Namen verdankt die Grosse Zitterspinne ihrem besonderen Abwehrverhalten. Fühlt sie sich bedroht, versetzt sie ihren Körper und ihr Netz durch schnelle Bewegungen in Schwingung (in eine Art Zittern). Dadurch verschwimmen ihre Konturen, was es Fressfeinden erschwert, sie zu erkennen. Ihre Netze bestehen aus einem unregelmässigen, dreidimensionalen Gespinst. Die Spinnfäden sind bei dieser Art nicht klebrig, können Beutetiere aber durch ihre Struktur und Elastizität festhalten. Die Zitterspinne umwickelt ihre Beute mit zusätzlichen Spinnfäden und kann damit auch grössere Insekten oder andere Spinnen überwältigen.
Name: Die Ameisenspringspinne (Myrmarachne formicaria) gehört zur Familie der Springspinnen (Salticidae). Ihren Namen verdankt sie ihrer Ähnlichkeit mit Ameisen.
Körpergrösse: Sie ist mit einer Körperlänge von ca. 5 bis 6,5 mm eine sehr klein. Wie jede andere Spinnenart hat sie acht Beine.
Aussehen: Die Ameisenspringspinne besitzt einen schmalen Körper, der in seiner Form stark an eine Ameise erinnert. Ihr Hinterleib ist im vorderen Bereich bräunlich und im hinteren Bereich dunkel bis schwarz gefärbt. Auch der Vorderkörper weist rötlich-braune und dunklere Bereiche auf.
Vorkommen: Die vor allem in Mitteleuropa vorkommende Ameisenspringspinne lebt in unterschiedlichen Lebensräumen, darunter sonnige Grasflächen, Trockenrasen, Obstgärten und Bereiche in der Nähe von Gewässern. Häufig ist sie an warmen, sonnigen Standorten mit niedriger Vegetation anzutreffen.
Besonderes: Diese Spinnenart ist ein Beispiel für die sogenannte Ameisenmimikry. Dabei ähnelt ein Tier einer anderen Tierart, um bestimmte Vorteile zu erlangen. Beim Laufen hebt sie häufig ihre beiden Vorderbeine an und bewegt sie wie die Fühler einer Ameise. Dadurch wirkt sie noch stärker wie ein Vertreter dieser Insektengruppe. Diese Ähnlichkeit kann ihr dabei helfen, sich bestimmten Beutetieren unauffälliger zu nähern. Gleichzeitig kann die ameisenähnliche Gestalt potenzielle Fressfeinde irritieren. Wie andere Springspinnen jagt sie ihre Beute aktiv und ist nicht auf ein Fangnetz angewiesen
Name: Die Nosferatu-Spinne (Zoropsis spinimana) gehört zur Familie der Kräuseljagdspinnen (Zoropsidae). Ihren Namen verdankt sie der dunklen Zeichnung auf ihrem Vorderkörper, die an das Gesicht des Vampirs Nosferatu erinnert.
Körpergrösse: Weibchen erreichen eine Körperlänge von etwa 10 bis 19 mm, während Männchen rund 10 bis 13 mm lang werden. Mit ausgestreckten Beinen kann die Nosferatu-Spinne eine Spannweite von ungefähr 5 cm erreichen. Dadurch wirkt sie deutlich grösser als ihr eigentlicher Körper ist.
Aussehen: Die Nosferatu-Spinne besitzt einen kräftigen, gelblich-braunen bis graubraunen Körper. Auf ihrem Vorderkörper befindet sich eine auffällige dunkle Zeichnung, die an eine Maske erinnert. Ihre Beine sind gelblich-grau bis bräunlich gefärbt und dunkel geringelt. Aufgrund ihres kräftigen Körperbaus wird sie manchmal optisch mit der Wolfsspinne verwechselt.
Vorkommen: Sie stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und Nordafrika. In der Schweiz wurde sie erstmals 1994 nachgewiesen und hat sich seither in den tieferen Lagen des Landes verbreitet. Sie lebt unter anderem in lichten Wäldern sowie unter Steinen und Baumrinde. Häufig hält sie sich auch in und an Gebäuden auf, wo sie geschützte Verstecke findet.
Besonderes: Im Gegensatz zu vielen anderen Spinnen baut die Nosferatu-Spinne kein Fangnetz, sondern jagt ihre Beute aktiv, hauptsächlich nachts. Sie ernährt sich vorwiegend von Insekten. Das Weibchen legt seine Eier in einen Kokon aus Spinnseide und bewacht diesen bis zum Schlüpfen der Jungspinnen. Ein Kokon kann mehrere Dutzend Eier enthalten. Die Nosferatu-Spinne besitzt Gift und kann bei Bedrängung oder beim Einfangen mit blossen Händen beissen. Für Menschen gilt sie jedoch als harmlos. Ein Biss kann Schmerzen und eine örtliche Schwellung verursachen, die meist innerhalb weniger Stunden abklingen. Deshalb sollte man sie nicht mit blossen Händen anfassen.
Name: Der Ammen-Dornfinger (Cheiracanthium punctorium) gehört zur Familie der Dornfingerspinnen (Cheiracanthiidae).
Körpergrösse: Weibchen erreichen eine Körperlänge von etwa 10 bis 15 mm. Die Männchen sind mit rund 7,5 bis 12 mm etwas kleiner. Die Beine sind im Verhältnis zum Körper lang und können eine Spannweite von mehreren Zentimetern erreichen.
Aussehen: Der Vorderkörper ist meist rot-orange gefärbt, während der Hinterleib gelblich bis olivgrün erscheint. Die Beine sind gelblich und relativ lang. Besonders auffällig sind die kräftigen Kieferklauen, die im vorderen Bereich rötlich und an den Spitzen dunkel gefärbt sind.
Vorkommen: Der Ammen-Dornfinger ist von Europa bis nach Zentralasien verbreitet. Er bevorzugt warme, offene Lebensräume mit hoher Vegetation, beispielsweise Wiesen mit hohem Gras, Hochstaudenfluren und Waldlichtungen. Auch auf Ackerbrachen sowie an Weg- und Grabenrändern kann er vorkommen.
Besonderes: Die Ammen-Dornfinger baut keine Fangnetze, sondern jagt ihre Beute aktiv und ist hauptsächlich nachts unterwegs. Tagsüber versteckt sie sich in Ruhegespinsten im hohen Gras oder zwischen Pflanzen. Das Weibchen bewacht seinen Eikokon und später auch die Jungspinnen. Sie zählt zu den wenigen Spinnen Mitteleuropas, deren Biss beim Menschen stärkere Beschwerden verursachen kann. Dieser ist zwar selten, kann jedoch brennende Schmerzen, Rötungen, Schwellungen und Juckreiz auslösen. In manchen Fällen treten auch Übelkeit oder leichtes Fieber auf. Sie beisst meist nur bei Bedrängung. Deshalb sollte sie nicht mit blossen Händen angefasst werden.
Name: Die Veränderliche Krabbenspinne (Misumena vatia) gehört zur Familie der Krabbenspinnen (Thomisidae). Ihren Namen verdankt sie ihrer Fähigkeit, ihre Körperfarbe zu verändern, sowie ihrer typischen Körperhaltung, die an eine Krabbe erinnert.
Körpergrösse: Die Weibchen erreichen eine Körperlänge von etwa 7 bis 11,5 mm. Die Männchen sind mit rund 3 bis 5 mm deutlich kleiner. Ihre Beine sind seitlich abgespreizt, wodurch sie sich krabbenähnlich bewegen können.
Aussehen: Die Weibchen können weiss, gelb oder blassgrün gefärbt sein. Teilweise weisen sie zusätzlich rötliche Streifen an den Seiten des Hinterleibs auf. Die Männchen sind deutlich kleiner und meist dunkler gefärbt. Ihr Vorderkörper ist bräunlich bis schwarz, während der Hinterleib helle und dunkle Längsstreifen aufweist
Vorkommen: Die Veränderliche Krabbenspinne ist in der Schweiz und in weiten Teilen Europas verbreitet. Sie lebt vor allem in blütenreichen Lebensräumen wie Wiesen, Trockenrasen, an sonnigen Waldrändern und in Gärten. Besonders häufig hält sie sich auf Blüten auf, wo sie auf vorbeifliegende Insekten lauert.
Besonderes: Die Veränderliche Krabbenspinne kann ihre Körperfarbe innerhalb weniger Tage an den Untergrund anpassen. Dadurch ist sie auf weissen oder gelben Blüten besonders gut getarnt. Diese Tarnung hilft ihr, von Beutetieren und Fressfeinden möglichst spät entdeckt zu werden. Für die Nahrungsfindung wartet sie auf Blüten oder Blättern, bis ein Insekt in Reichweite kommt. Mit ihren kräftigen Vorderbeinen packt sie ihre Beute blitzschnell und überwältigt sie mit einem Giftbiss. Zu ihrer Beute zählen unter anderem Fliegen, Bienen und Schwebfliegen.
Name: Wolfsspinnen (Lycosidae) sind für ihre aktive Jagd bekannt, sie verfolgen ihre Beute direkt. Diese Jagdweise erinnert an die von Wölfen, daher stammt auch ihr Name.
Körpergrösse: Die Körpergrösse variiert je nach Art deutlich. Viele Wolfsspinnen sind nur wenige Millimeter gross, während grössere Arten Körperlängen von über 20 mm erreichen können.
Aussehen: Wolfsspinnen sind meist braun, grau oder dunkel gefärbt und weisen häufig helle oder dunkle Streifen und Muster auf. Ihre kräftigen, behaarten Beine unterstützen sie bei der Jagd. Ein charakteristisches Merkmal sind ihre acht Augen, die in drei Reihen angeordnet sind. Besonders auffällig sind die beiden grossen Augen in der mittleren Reihe.
Vorkommen: Wolfsspinnen sind weltweit verbreitet. In der Schweiz leben verschiedene Arten in unterschiedlichen Lebensräumen, darunter Wiesen, Wälder und Gärten. Viele halten sich zwischen Laub, unter Steinen oder auf dem Boden auf. Einige Arten graben eigene Erdhöhlen, in die sie sich zurückziehen können.
Besonderes: Die meisten Wolfsspinnen bauen keine Fangnetze, sondern jagen ihre Beute aktiv. Dabei verlassen sie sich auf ihren gut entwickelten Sehsinn und ihre schnelle Reaktionsfähigkeit. Ihre Beute besteht hauptsächlich aus Insekten. Die Weibchen tragen ihren Eikokon an den Spinnwarzen am Hinterleib mit sich. Nach dem Schlüpfen klettern die Jungspinnen auf den Hinterleib ihrer Mutter und werden dort noch eine Zeit lang getragen und geschützt. Wolfsspinnen gelten für Menschen normalerweise als ungefährlich. Sie sind nicht aggressiv und beissen in der Regel nur, wenn sie sich bedroht fühlen oder festgehalten werden. Ein Biss kann Schmerzen, Rötungen oder Schwellungen verursachen. Schwerwiegende Folgen sind jedoch nicht typisch.
Name: Die Gerandete Jagdspinne (Dolomedes fimbriatus) gehört zur Familie der Raubspinnen (Pisauridae).
Körpergrösse: Weibchen erreichen eine Körperlänge von etwa 9 bis 22 mm, während Männchen zwischen 9 und 15 mm gross werden. Damit gehört die Gerandete Jagdspinne zu den grössten Spinnenarten der Schweiz.
Aussehen: Die Gerandete Jagdspinne besitzt einen kräftigen Körper, der gelbbraun bis schwarzbraun gefärbt ist. Entlang der Körperseiten verlaufen meist helle, gelbliche oder weissliche Streifen, die ihr den Namen verleihen.
Vorkommen: Sie lebt bevorzugt in Feuchtgebieten, Mooren und Feuchtwiesen sowie an den Ufern stehender oder langsam fliessender Gewässer. Dort hält sie sich häufig in der Nähe von Wasserpflanzen auf, wo sie auf vorbeikommende Beutetiere lauert.
Besonderes: Die Gerandete Jagdspinne ist hervorragend an das Leben am Wasser angepasst. Dank ihrer dichten Körperbehaarung und der Oberflächenspannung kann sie sich auf der Wasseroberfläche bewegen. Dabei nutzt sie ihre Beine, um Bewegungen im Wasser wahrzunehmen und Beute aufzuspüren. Bei Gefahr oder zur Jagd kann sie sogar untertauchen. Eine dünne Luftschicht, die an ihrer Körperbehaarung haftet, hilft ihr dabei, unter Wasser zu bleiben. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Insekten. Sie kann aber auch Kaulquappen und kleine Fische erbeuten. Dafür lauert sie am Wasserrand oder auf der Wasseroberfläche und packt ihre Beute blitzschnell, sobald diese in Reichweite kommt.
Die meisten Spinnen sind scheu und meiden den Kontakt mit Menschen. Wenn sie dennoch einmal zubeissen, geschieht dies in der Regel zur Verteidigung. Bei den meisten einheimischen Arten sind höchstens leichte, kurzfristige Hautreaktionen zu erwarten, die mit einem Wespenstich vergleichbar sein können. Zwar gibt es in der Schweiz Spinnen, deren Gift auch beim Menschen eine Wirkung entfalten kann, ernsthafte gesundheitliche Folgen sind jedoch selten.
Spinnen stellen somit in der Regel weder eine Gefahr für unsere Gesundheit noch für Lebensmittel, Möbel oder Gebäude dar. Im Gegenteil: Als natürliche Insektenfresser tragen sie dazu bei, die Bestände verschiedener Insekten zu regulieren.
Warum können Spinnen trotzdem zum Problem werden?
Für Menschen mit einer Spinnenphobie kann bereits die Anwesenheit einzelner Tiere belastend sein. Auch wer sich ein möglichst spinnenfreies Zuhause wünscht, empfindet sie häufig als störend. Zudem können zahlreiche Spinnennetze an Fassaden, in Ecken oder in Innenräumen das Erscheinungsbild und die Sauberkeit eines Gebäudes beeinträchtigen.