18 August 2026 · Aebischer Sofie
Fluginsekten
Ob in der Küche, am Fenster oder im Garten: Fliegen begegnen uns fast überall. Doch Fliege ist nicht gleich Fliege. In der Schweiz gibt es zahlreiche Arten, die sich in Aussehen, Lebensweise und Lebensraum unterscheiden.
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Dieser Beitrag stellt häufig vorkommende Fliegenarten und -familien der Schweiz vor und zeigt, woran sie erkannt werden können, wo sie vorkommen und was sie besonders macht.
Name: Musca domestica
Länge: 6 – 8 mm
Aussehen: Grauer Körper mit vier dunklen Längsstreifen auf der Brust. Grosse, meist rötlich gefärbte Augen. Der Hinterleib gelblich bis grau.
Vorkommen: Wohnungen, Küchen, Gastronomiebetriebe, Lebensmittelbetriebe, Ställe und landwirtschaftliche Betriebe. Besonders häufig dort, wo organisches Material als Nahrungsquelle oder Brutplatz vorhanden ist.
Entwicklung: Die Weibchen legen ihre Eier in feuchtes, organisches Material wie Mist, Abfälle oder Kompost. Die Larven entwickeln sich dort und verpuppen sich anschliessend ausserhalb des Brutmaterials. Die erwachsenen Tiere leben in der Regel etwa 2 – 4 Wochen.
Schäden: Stubenfliegen können Krankheitserreger von verunreinigten Materialien auf Lebensmittel und Oberflächen übertragen. In Lebensmittel- und Gastronomiebetrieben sowie anderen hygienisch sensiblen Bereichen sind sie deshalb besonders unerwünscht. Bei stärkerem Befall können Lebensmittel zudem durch Kot und andere Ausscheidungen verunreinigt werden.
Besonderes: Die Stubenfliege kann mit ihren Füssen schmecken. An den Beinen befinden sich Geschmacksrezeptoren, mit denen sie Oberflächen auf mögliche Nahrungsquellen prüfen kann. Deshalb lassen sich Stubenfliegen häufig dabei beobachten, wie sie Lebensmittel zunächst ablaufen.
Name: Fannia canicularis
Länge: 4 – 6 mm
Aussehen: Deutlich kleiner und schlanker als die Stubenfliege. Grauer bis grauschwarzer Körper. Im Sitzen hält sie ihre Flügel häufig leicht gespreizt.
Vorkommen: Wohnungen, Ställe, Tierhaltungen, Kompostanlagen und andere Bereiche mit organischem Material.
Entwicklung: Die Weibchen legen ihre Eier in feuchtes, sich zersetzendes organisches Material. Die Larven entwickeln sich dort und verpuppen sich anschliessend.
Schäden: Bei grösserem Auftreten kann die Kleine Stubenfliege insbesondere in hygienisch sensiblen Bereichen störend sein. Sie kann Keime auf Lebensmittel und Oberflächen übertragen und dadurch Hygiene und Sauberkeit beeinträchtigen.
Besonderes: Anders als die Stubenfliege verbringt die Kleine Stubenfliege viel Zeit in der Luft. Sie fliegt häufig in kleinen Kreisen und schwebt unter Decken, in der Nähe von Fenstern oder um Lampen. Dieses typische Flugverhalten macht sie trotz ihrer geringen Grösse gut erkennbar.
Name: Calliphoridae
Länge: 5 – 15 mm
Aussehen: Kräftig gebaut und auffällig durch ihren metallischen Glanz. Je nach Art schimmert der Körper blau, grün oder violett. Zu den bekanntesten Vertretern gehören die Blaue Schmeissfliege (Calliphora vomitoria) und die Goldfliege (Lucilia sericata).
Vorkommen: Vor allem im Freien, beispielsweise in Gärten, auf Wiesen und in der Nähe von Abfällen oder totem organischem Material. Einige Arten treten auch in Innenräumen oder Ställen auf.
Entwicklung: Die Weibchen legen ihre Eier auf passendes organisches Material, bspw. an Tierkadavern oder in Fleischabfällen. Die Larven ernähren sich davon und verlassen das Material anschliessend zur Verpuppung.
Schäden: Schmeissfliegen können Krankheitserreger aufnehmen und auf Lebensmittel und Oberflächen übertragen. In Lebensmittelbetrieben und anderen hygienisch sensiblen Bereichen können sie deshalb ein Hygieneproblem darstellen.
Besonderes: Schmeissfliegen verfügen über einen ausgeprägten Geruchssinn und können dadurch geeignete Brutstätten über grössere Distanzen aufspüren. Einige Arten werden bereits kurz nach dem Tod eines Tieres angelockt. Gleichzeitig leisten ihre Larven einen wichtigen Beitrag zum Abbau von Kadavern und anderem organischem Material.
Name: Pollenia rudis
Länge: 6 – 10 mm
Aussehen: Grauschwarzer Körper mit einem gelblichen Schimmer. Charakteristisch sind die kurzen, goldgelben bis goldbraunen Härchen auf der Brust.
Vorkommen: Vor allem im Freien, häufig an Hauswänden, Fenstern und sonnigen Fassaden. Im Herbst sucht sie geschützte Orte zum Überwintern und kann dabei in Dachböden, Rollladenkästen und andere Hohlräume von Gebäuden gelangen.
Entwicklung: Die Weibchen legen ihre Eier im Boden ab. Die geschlüpften Larven suchen dort Regenwürmer auf und entwickeln sich parasitisch an ihnen. Anschliessend erfolgt die weitere Entwicklung bis zur erwachsenen Fliege.
Schäden: Die Graugelbe Polsterfliege verursacht keine Schäden an Lebensmitteln oder Materialien. Dringt sie im Herbst in grosser Zahl in Gebäude ein, kann sie jedoch durch ihr massenhaftes Auftreten lästig werden. Tote Fliegen können zudem unangenehme Gerüche verursachen und weitere Insekten anlocken.
Besonderes: Die Graugelbe Polsterfliege wird auch als Wurmfliege bezeichnet, da sich ihre Larven in Regenwürmern entwickeln. Im Herbst suchen die erwachsenen Fliegen geschützte Überwinterungsplätze auf und können sich dabei über Jahre hinweg wiederholt in denselben Gebäuden ansammeln.
Name: Drosophilidae
Länge: 1,5 – 4 mm
Aussehen: Sehr klein, meist gelblich bis bräunlich gefärbt. Viele Arten haben auffällig rote Augen.
Vorkommen: Vor allem in Küchen, Gastronomie- und Lebensmittelbetrieben sowie Lagerräumen. Häufig in der Nähe von reifem, überreifem oder gärendem Obst, Säften und anderen zuckerhaltigen Lebensmitteln. Auch Rückstände in Abflüssen können geeignete Entwicklungsorte bieten.
Entwicklung: Die Weibchen legen ihre Eier auf feuchtem, gärendem oder sich zersetzendem organischem Material ab. Die Larven ernähren sich vor allem von Hefen und anderen Mikroorganismen, die dort wachsen.
Schäden: Fruchtfliegen stechen und beissen nicht und verursachen keine Schäden an Gebäuden oder Materialien. In hygienischen Umgebungen sind sie dennoch unerwünscht, da sie Mikroorganismen auf Lebensmittel und Oberflächen übertragen können. Die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) befällt zudem gesunde, reife Früchte und kann dadurch erhebliche Schäden im Obst- und Weinbau verursachen.
Besonderes: Unter günstigen, warmen Bedingungen vermehren sich Fruchtfliegen sehr schnell. Bei der Gemeinen Fruchtfliege (Drosophila melanogaster) kann sich eine neue Generation innerhalb von rund 8 – 10 Tagen entwickeln. Gerade im Sommer können dadurch innerhalb kurzer Zeit grosse Populationen entstehen.
Name: Phoridae
Länge: 0,5 – 6 mm
Aussehen: Meist sehr kleine, dunkel gefärbte Fliegen mit einem auffällig gewölbten Brustbereich. Der Körper wirkt dadurch buckelig, was ihnen ihren deutschen Namen eingebracht hat. Die Flügel sind vergleichsweise kurz.
Vorkommen: Häufig in der Nähe von verrottendem organischem Material, Kompost, Kadavern oder Pilzen. Einige Arten treten auch in Gebäuden auf, insbesondere bei feuchten Bedingungen.
Entwicklung: Viele Arten entwickeln sich in verrottendem organischem Material. Andere Arten leben räuberisch oder parasitisch und entwickeln sich beispielsweise an anderen Insekten oder Wirbellosen.
Schäden: Buckelfliegen verursachen normalerweise keine direkten Schäden an Gebäuden oder Materialien. In Lebensmittelbetrieben und anderen hygienisch sensiblen Bereichen können sie dennoch problematisch sein. Viele Arten entwickeln sich in verrottendem organischem Material und können von dort Mikroorganismen auf Lebensmittel oder Oberflächen übertragen.
Besonderes: Buckelfliegen haben ein auffälliges Fluchtverhalten. Bei einer Störung fliegen sie nicht sofort davon, sondern laufen häufig schnell über Oberflächen. Die Kleine Buckelfliege (Megaselia scalaris) gilt zudem als besonders anpassungsfähig und kann sich in einer ungewöhnlich grossen Vielfalt organischer Materialien entwickeln.
Name: Chloropidae
Länge: 1 – 4 mm
Aussehen: Sehr kleine Fliegen mit meist gelblicher bis gelbgrüner Färbung. Viele Arten tragen dunkle Längsstreifen oder Zeichnungen auf der Brust. Aufgrund ihrer geringen Grösse können sie leicht mit Fruchtfliegen verwechselt werden.
Vorkommen: Vor allem in Wiesen, an Gräsern und in anderen offenen Lebensräumen. Einige Arten, wie die Fritfliege (Oscinella frit), kommen auch in Getreide- und Maisbeständen vor. Die Gemeine Halmfliege (Thaumatomyia notata) kann im Herbst an sonnigen Hausfassaden in grosser Zahl auftreten.
Entwicklung: Die Larven vieler Arten entwickeln sich in Gräsern und Getreide und ernähren sich von Pflanzenteilen. Andere Arten leben räuberisch und ernähren sich von kleinen Insekten. Die erwachsenen Fliegen nehmen unter anderem Pflanzensäfte und Honigtau auf.
Schäden: Einige Halmfliegenarten sind Pflanzenschädlinge und können Schäden an Getreide und Gräsern verursachen. Andere Arten sind nützlich und tragen zur natürlichen Regulierung von Blattläusen bei. Für Gebäude und Lebensmittel sind sie unproblematisch. Treten sie in sehr grosser Zahl auf, können sie jedoch lästig werden.
Besonderes: Bei männlichen Gemeinen Halmfliegen befinden sich auffällige gelbe Bläschen am Hinterleib. Diese können ausgestülpt werden und geben vermutlich Duftstoffe ab. Möglicherweise spielen sie auch bei der Bildung der grossen Ansammlungen im Herbst eine Rolle.
Name: Tabanidae
Länge: 6 – 25 mm
Aussehen: Mittelgrosse bis grosse, kräftig gebaute Fliegen. Je nach Art grau, braun oder gelblich gefärbt und teilweise auffällig gemustert.
Vorkommen: Vor allem in feuchten Lebensräumen wie Wiesen, Weiden, Waldrändern und in der Nähe von Gewässern. Besonders aktiv an warmen, sonnigen und schwülen Tagen.
Entwicklung: Die Weibchen legen ihre Eier an Pflanzen in der Nähe von Gewässern oder feuchten Böden ab. Die Larven entwickeln sich dort und ernähren sich je nach Art von kleinen Tieren oder organischem Material.
Schäden: Die Weibchen der meisten Arten benötigen Blut. Mit ihren kräftigen Mundwerkzeugen ritzen sie die Haut ihrer Wirte auf und nehmen das austretende Blut auf. Der Biss ist meist sofort deutlich schmerzhaft und kann noch längere Zeit nachwirken.
Besonderes: Neben Wärme und Bewegung spielt auch der individuelle Körpergeruch eine Rolle bei der Wirtssuche. Stoffe aus Haut und Schweiss können dazu führen, dass manche Menschen häufiger von Bremsen gebissen werden.
Name: Sarcophagidae
Länge: 5 – 20 mm
Aussehen: Mittelgrosse bis grosse Fliegen mit einem grauen Körper. Charakteristisch sind die dunklen Längsstreifen auf der Brust und das schachbrettartig gemusterte Hinterleibsende.
Vorkommen: Vor allem im Freien, beispielsweise auf Wiesen, an Waldrändern, in Gärten und in der Nähe von Abfällen oder anderem organischem Material. Arten wie die Graue Fleischfliege (Sarcophaga carnaria) können auch in Gebäude gelangen.
Entwicklung: Viele Fleischfliegen sind lebendgebärend (larvipar). Statt Eier abzulegen, setzen die Weibchen bereits entwickelte Larven auf geeignetem organischem Material ab, wo diese ihre Entwicklung beginnen können.
Schäden: Fleischfliegen können Krankheitserreger aufnehmen und auf Lebensmittel und Oberflächen übertragen. In Lebensmittelbetrieben, Gastronomiebetrieben und anderen hygienisch sensiblen Bereichen sind sie deshalb unerwünscht. Einige Arten können zudem in Wunden von Tieren oder Menschen gelangen und dort eine Myiasis verursachen.
Besonderes: Fleischfliegen spielen auch in der Forensik eine Rolle. Da bestimmte Arten bereits kurz nach dem Tod von einem Kadaver angelockt werden und sich ihre Larven in einem relativ gut bestimmbaren Zeitraum entwickeln, können sie Hinweise auf den ungefähren Todeszeitpunkt liefern.
Name: Syrphidae
Länge: 4 – 25 mm
Aussehen: Viele Arten fallen durch gelb-schwarze oder rot-schwarze Zeichnungen auf und ähneln dadurch Wespen oder Bienen. Andere Arten sind unscheinbar grau oder dunkel gefärbt. Typisch sind ihre grossen Augen.
Vorkommen: Vor allem in Gärten, Wiesen, an Waldrändern und anderen blütenreichen Lebensräumen. Häufig auf Blüten anzutreffen, wo sie Nektar und Pollen aufnehmen.
Entwicklung: Die Weibchen legen ihre Eier je nach Art an geeigneten Entwicklungsorten ab. Viele Larven ernähren sich von Blattläusen, während sich andere von zersetzendem organischem Material oder anderen Nahrungsquellen ernähren.
Schäden: Schwebfliegen sind für Menschen und Gebäude harmlos. Sie stechen und beissen nicht und gelten nicht als Schädlinge. Viele Arten sind sogar nützlich, da ihre Larven grosse Mengen an Blattläusen fressen und dadurch zur natürlichen Schädlingsregulierung beitragen.
Besonderes: Viele Schwebfliegenarten ahmen mit ihrer Färbung Wespen, Bienen oder Hummeln nach. Diese sogenannte Mimikry kann Fressfeinde abschrecken, obwohl Schwebfliegen selbst keinen Stachel besitzen. Zudem können sie nahezu auf der Stelle schweben und ihre Flugrichtung sehr schnell ändern.
Fliegen werden häufig als lästig wahrgenommen, besonders wenn sie in grösserer Zahl auftreten. Dabei gibt es in der Schweiz eine grosse Vielfalt an Fliegenarten, von denen nur wenige tatsächlich zum Problem werden. Viele übernehmen sogar wichtige Aufgaben in der Natur, etwa beim Abbau organischer Materialien oder als Bestäuber.
Treten Fliegen jedoch wiederholt oder in grosser Zahl in Gebäuden auf, lohnt sich ein genauerer Blick. Eine professionelle Bestimmung hilft dabei, die Ursache des Befalls zu erkennen und geeignete Massnahmen einzuleiten. Besonders in hygienisch sensiblen Bereichen ist eine fachgerechte Bekämpfung sinnvoll, bei der nicht nur die sichtbaren Fliegen, sondern auch mögliche Brutstätten berücksichtigt werden.