27 August 2026 · Aebischer Sofie
Fluginsekten
Wenn nachts in der Küche plötzlich etwas über den Boden huscht, löst das bei den meisten Menschen sofort Ekel aus. Schaben haben einen allgemein schlechten Ruf und werden schnell mit einem Schädlingsbefall in Verbindung gebracht. Dabei gibt es in der Schweiz verschiedene Schabenarten, die sich deutlich voneinander unterscheiden und nicht alle als Schädlinge gelten.
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Dieser Beitrag stellt die wichtigsten Schabenarten in der Schweiz vor und zeigt, woran sie sich erkennen lassen und wo sie typischerweise vorkommen. Zudem erfahren Sie, welche Arten als Schädlinge auftreten und welche meist harmlos sind.
Name: Blattella germanica
Grösse: 9 – 15 mm
Aussehen: Hellbraun bis gelbbraun gefärbt mit zwei charakteristischen dunklen Längsstreifen auf dem Halsschild. Der Körper ist flach und oval geformt.
Vorkommen: In der Schweiz weit verbreitet und vor allem in beheizten Gebäuden wie Küchen, Gastronomie- und Lebensmittelbetrieben. Sie hält sich bevorzugt in warmen, feuchten und geschützten Bereichen auf.
Lebensweise: Überwiegend nachtaktiv und tagsüber versteckt. Sie hält sich häufig in der Nähe von Wasserquellen auf und bewegt sich sehr schnell. Trotz ihrer Flügel kann sie nicht fliegen und bewegt sich laufend fort. Werden sie tagsüber gesehen, deutet dies auf einen grossen Befall hin.
Schäden: Die Deutsche Schabe kann Lebensmittel und Oberflächen durch Kot, Erbrochenes und andere Ausscheidungen verunreinigen und dabei Krankheitserreger verschleppen. Allergene aus Kot und Häutungsresten können zudem allergische Reaktionen auslösen und Asthmabeschwerden verstärken.
Besonderes: Kakerlaken können erstaunlich lange ohne Kopf überleben. Die Deutsche Schabe kann unter geeigneten Bedingungen etwa eine Woche ohne Kopf überleben. Sie nimmt Sauerstoff über kleine Atemöffnungen am Körper auf und ist deshalb nicht auf den Kopf angewiesen.
Name: Blatta orientalis
Grösse: 20 – 30 mm
Aussehen: Dunkelbraun bis fast schwarz gefärbt und deutlich grösser als die Deutsche Schabe. Die Flügel sind bei den Weibchen stark verkürzt, bei den Männchen länger, reichen aber nicht bis zum Hinterleibsende. Beide Geschlechter sind flugunfähig.
Vorkommen: Vor allem in feuchten und eher kühlen Bereichen von Gebäuden, beispielsweise in Kellern, Schächten und in der Nähe von Abwasserleitungen. Sie kann auch im Freien vorkommen.
Lebensweise: Nachtaktiv und tagsüber in dunklen, geschützten Bereichen versteckt wie Spalten und Hohlräumen. Sie bewegt sich hauptsächlich laufend fort und kann glatte Oberflächen nur schlecht erklimmen.
Schäden: Kann Lebensmittel und Oberflächen verunreinigen und dabei Krankheitserreger übertragen. Besonders in Gastronomie- und Lebensmittelbetrieben kann ein sichtbarer Befall zudem dem Ruf des Betriebs schaden und das Vertrauen der Kundschaft beeinträchtigen.
Besonderes: Die Orientalische Schabe besitzt spezielle Drüsen, die ein unangenehm riechendes Sekret absondern. Bei einem stärkeren Befall kann sich ein charakteristischer unangenehmer Geruch in den betroffenen Räumen ausbreiten. Dadurch kann der Geruch ein Hinweis auf einen länger bestehenden Befall sein.
Name: Supella longipalpa
Grösse: 10 – 15 mm
Aussehen: Hellbraun bis gelbbraun gefärbt. Charakteristisch sind zwei helle Querbänder an den Flügeln und am Hinterleib. Die Männchen besitzen längere Flügel als die Weibchen und können fliegen, während die Weibchen flugunfähig sind.
Vorkommen: In der Schweiz seltener als die Deutsche oder Orientalische Schabe. Sie bevorzugt warme, trockene Orte und kommt vor allem in beheizten Gebäuden wie Wohnungen, Hotels und Büros vor.
Lebensweise: Die Braunbandschabe ist nachtaktiv und hält sich häufig in höheren Bereichen von Räumen auf, beispielsweise an Möbeln, hinter Bildern oder in Schränken. Sie kann sich auch weit weg vom Wasser entfernt aufhalten.
Schäden: Kann Lebensmittel durch Kot und Ausscheidungen verunreinigen. Sie kann auch elektronische Geräte besiedeln und dort unter Umständen technische Störungen verursachen. Auch Papier, Tapeten und Textilien können durch Frass beschädigt werden.
Besonderes: Die Braunbandschabe wird auch Möbel- oder Computerschabe genannt. Sie sucht gezielt die Wärme von elektronischen Geräten auf und kann sich beispielsweise in Fernsehern, Druckern oder anderen technischen Geräten verstecken.
Name: Periplaneta americana
Grösse: 30 – 50 mm
Aussehen: Mit bis zu 5 cm auffallend gross. Rotbraun bis dunkelbraun gefärbt mit einem hellgelben Rand am Halsschild. Die Flügel sind gut entwickelt und reichen über den Hinterleib hinaus. Charakteristisch sind auch die sehr langen Fühler, die etwa so lang wie der Körper oder sogar länger sein können.
Vorkommen: In der Schweiz nicht weit verbreitet und deutlich seltener als die Deutsche Schabe. Sie benötigt hohe Temperaturen und ausreichend Feuchtigkeit und kommt deshalb vor allem in Bereichen wie Heizungskellern, Schächten oder Gewächshäusern vor. Ursprünglich stammt sie vermutlich aus Afrika und hat sich durch den weltweiten Warenverkehr in viele Regionen verbreitet.
Lebensweise: Nachtaktiv und tagsüber in dunklen, geschützten Bereichen versteckt. Sie ist sehr beweglich und kann gut klettern.
Schäden: Sie kann Lebensmittel und Vorräte verunreinigen und dabei Krankheitserreger verschleppen. Bei starkem Befall kann zudem ein unangenehmer Geruch entstehen.
Besonderes: Die Amerikanische Schabe gehört zu den schnellsten laufenden Insekten der Welt. Sie kann Geschwindigkeiten von bis zu rund 5 km/h erreichen und dabei etwa 50 Körperlängen pro Sekunde zurücklegen.
Name: Ectobius vittiventris
Grösse: 9 – 14 mm
Aussehen: Hellbraun bis gelblichbraun gefärbt mit einem schlanken Körper und durchscheinenden Flügeln. Die Fühler sind etwa so lang wie der Körper.
Vorkommen: Vor allem in Gärten, Wiesen, Hecken und an Waldrändern. In der Schweiz ist sie weit verbreitet und kommt besonders in tieferen Lagen vor. Gelegentlich gelangt sie durch offene Fenster oder Türen in Gebäude.
Lebensweise: Die Bernstein-Waldschabe ist tagaktiv und hält sich überwiegend in der Vegetation auf. Sie ernährt sich von pflanzlichem Material und abgestorbenen organischen Stoffen.
Schäden: Die Bernstein-Waldschabe gilt nicht als Schädling. In Gebäuden findet sie in der Regel keine geeigneten Bedingungen, um sich dauerhaft anzusiedeln.
Besonderes: Im Gegensatz zu vielen anderen Schabenarten wird die Bernstein-Waldschabe von Licht angezogen. Besonders an warmen Sommerabenden kann sie sich zu künstlichen Lichtquellen verirren und durch offene Fenster oder Türen in Gebäude gelangen.
Name: Ectobius lapponicus
Grösse: 9 – 14 mm
Aussehen: Hellbraun bis dunkelbraun gefärbt und schlank gebaut. Charakteristisch ist der rundliche Halsschild mit einem undeutlich begrenzten dunklen Fleck in der Mitte. Die Männchen können gut fliegen dank grösserer Flügel, Weibchen sind nur eingeschränkt flugfähig.
Vorkommen: Vor allem in Wäldern, an Waldrändern, auf Wiesen und in dichter Bodenvegetation. In der Schweiz kommt sie auch in höheren Lagen vor. Gelegentlich können einzelne Tiere in Gebäude gelangen.
Lebensweise: Die Männchen sind tagaktiv und fliegen bei warmem Wetter kurze Strecken auf der Suche nach Paarungspartnern. Weibchen und Nymphen halten sich eher versteckt am Boden auf. Die Art ernährt sich von abgestorbenem Pflanzenmaterial und trägt so zur Zersetzung im Ökosystem bei.
Schäden: Die Gemeine Waldschabe gilt nicht als Schädling. Einzelne Tiere können zwar in Gebäude gelangen, sich dort aber nicht dauerhaft ansiedeln oder vermehren und verursachen dort normalerweise auch keine Schäden.
Besonderes: Die Entwicklung dauert ungewöhnlich lange. Vom Ei bis zum ausgewachsenen Tier können etwa zwei Jahre vergehen, wobei sie zweimal überwintert.
Schaben sind weit mehr als die ungeliebten Tiere, die wir aus Küchen und Kellern kennen. In der Natur übernehmen sie wichtige Aufgaben im Ökosystem und tragen unter anderem zum Abbau organischer Materialien bei. Nur ein kleiner Teil der Schabenarten lebt überhaupt in Gebäuden und wird für den Menschen zum Problem.
Treten Schaben in Innenräumen auf, sollte jedoch möglichst rasch geklärt werden, um welche Art es sich handelt. Eine professionelle Bestimmung hilft dabei, einen harmlosen Besucher von einer schädlichen Schabenart zu unterscheiden.
Handelt es sich tatsächlich um einen Befall, ist schnelles Handeln wichtig. Schaben können sich unter geeigneten Bedingungen rasch vermehren und leben häufig versteckt in Spalten, Hohlräumen oder hinter Geräten. Dadurch ist es schwierig, einen Befall vollständig zu erfassen. Ohne professionelle Hilfe ist es fast unmöglich, einen Befall vollständig zu tilgen. Eine professionelle Bekämpfung zielt deshalb darauf ab, auch versteckte Befallsherde zu erkennen und die Population vollständig zu beseitigen.