26 Mai 2026 · Aebischer Sofie

Kriechende Insekten

Japankäfer: Wenn ein Käfer zum Problem wird

Dieses Mal sind zwar nicht wir Menschen in Quarantäne, dafür aber ein Käfer. Der invasive Japankäfer wird in der Schweiz als Quarantäneschädling eingestuft. Das bedeutet, dass seine Ausbreitung offiziell überwacht und unbedingt verhindert werden soll, da sein Schadpotenzial für Pflanzen sehr hoch ist.

Zu sehen sind viele Japankäfer, die zusammen eine Pflanze befallen.

Wissenswertes zum Japankäfer

Der Japankäfer (Popillia japonica) stammt ursprünglich aus Japan und wurde Anfang des 20. Jahrhunderts nach Nordamerika eingeschleppt. Von dort aus hat er sich in den letzten Jahrzehnten auch in Europa ausgebreitet. In der Schweiz wurde er erstmal 2017 im Tessin nachgewiesen.

Der ausgewachsene Käfer ist etwa 1 bis 1,2 cm gross und damit ungefähr so gross wie ein 5-Rappen-Stück. Sie sind vor allem zwischen Juni und September aktiv. In dieser Zeit sind sie gut zu beobachten.

Ein Japankäfer (Popillia japonica) krabbelt auf einem Blatt herum.

Typische Merkmale zur Erkennung sind:

  • Metallisch grün schimmernder Kopf und Körpermitte

  • Kupferbraune Flügeldecken

  • Fünf weisse Haarbüschel an jeder Seite des Hinterleibs

  • Zwei grössere weisse Haarbüschel am Hinterteil

Die Eier, Larven und Puppen entwickeln sich im Boden. In diesen Stadien ist der Käfer kaum sichtbar, kann aber bereits Schäden anrichten, insbesondere an den Graswurzeln von Rasenflächen und Wiesen.

Wieso ist der Käfer schädlich?

Der Japankäfer befällt eine sehr grosse Anzahl an Pflanzenarten. Insgesamt zählen über 400 Nutz- und Zierpflanzen zu seinen Wirtspflanzen, was ihn besonders problematisch macht. Da er in Europa kaum natürliche Feinde hat, kann sich der Käfer zudem vergleichsweise schnell ausbreiten.

Betroffen sind unter anderem:

  • Obstbäume wie Apfel, Kirsche oder Pflaume

  • Reben und Beerensträucher

  • Laubbäume wie Ahorn, Buche oder Eiche

  • Zierpflanzen wie Rosen

  • Landwirtschaftliche Kulturen wie Soja

Ein Japankäfer sitzt auf einem von ihm beschädigten Blatt, welches das typische "Skeletttierfrass-Muster" aufweist.
Es sind zwei Japankäfer mit abgespreizten Beinen auf einem von ihnen beschädigten Blatt zu sehen. Das Muster des Blattes nennt sich auch "Skeletttierfrass-Muster".

Die erwachsenen Käfer fressen vor allem an Blättern, Blüten und Früchten. Dabei entsteht ein typisches Schadbild, bei dem nur noch die Blattadern übrig bleiben. Dieses sogenannte „Skelettierfrass“- Muster gilt als typisches Anzeichen eines Befalls.

Auch die Larven können Schäden verursachen. Sie leben im Boden und ernähren sich von den Wurzeln verschiedener Gräser. Dadurch können Rasenflächen, Wiesen oder Sportplätze geschädigt werden. In stark betroffenen Bereichen entstehen teilweise gelbe oder braune Stellen, da die Pflanzen nicht mehr ausreichend mit Wasser und Nährstoffen versorgt werden.

Verbreitung in der Schweiz

Der Japankäfer wurde in der Schweiz erstmals 2017 im Tessin nahe der italienischen Grenze nachgewiesen. In den darauffolgenden Jahren wurden weitere Populationen entdeckt, unter anderem im Wallis, im Kanton Zürich sowie in der Region Basel. Auch in Teilen der Westschweiz, beispielsweise in den Kantonen Genf und Waadt, kam es bereits zu Funden.

Eine aktuelle Übersicht der betroffenen Gebiete zeigt die Verbreitungskarte des Japankäfers.

Die Grafik zeigt eine Karte der Schweiz, auf der Befälle und die jeweiligen Pufferzonen farbig abgebildet sind. Stark betroffen ist das Tessin. Einzelne Befälle gibt es vor allem in den Kantonen Genf, Waadt, Zürich, Basel, Luzern, Schwyz und Bern.

Die Ausbreitung erfolgt einerseits durch die flugfähigen erwachsenen Käfer selbst. Deutlich schneller geschieht sie jedoch durch menschliche Aktivitäten. Besonders problematisch sind dabei der Transport von Erde, Pflanzenmaterial oder Grüngut, da sich darin Eier oder Larven befinden können. Auch Fahrzeuge oder Waren können zur unbeabsichtigten Verbreitung beitragen.

Teilweise handelt es sich bei den Schweizer Funden um isolierte Populationen. Dies deutet darauf hin, dass der Japankäfer mehrfach unabhängig eingeschleppt wurde.

Bekämpfung und Prävention

Der Japankäfer unterliegt in der Schweiz einer Melde- und Bekämpfungspflicht. Ziel ist es, neue Populationen möglichst früh zu erkennen und eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

Da insbesondere die Larven im Boden grosse Schäden verursachen können, konzentriert sich die Bekämpfung stark auf dieses Entwicklungsstadium. Hat sich der Japankäfer einmal etabliert, ist eine vollständige Entfernung nur noch schwer möglich. Umso wichtiger ist ein frühzeitiges Eingreifen.

In betroffenen Gebieten kommen deshalb verschiedene Massnahmen zum Einsatz:

  • Überwachung mit Lockstofffallen zur Früherkennung

  • Einschränkungen beim Transport von Erde, Grüngut und Pflanzenmaterial

  • Gezielte Bekämpfung in Befallszonen

  • Regelmässige Kontrollen durch die kantonalen Pflanzenschutzdienste

Auch die Bevölkerung spielt bei der Eindämmung eine wichtige Rolle. Verdachtsfälle sollten möglichst rasch gemeldet werden, damit neue Vorkommen frühzeitig überprüft werden können.

Was tun bei einem Verdacht?

Da der Japankäfer in der Schweiz meldepflichtig ist, sollte bei einem Verdacht möglichst schnell gehandelt werden. Eine frühe Meldung hilft dabei, neue Populationen schnell zu erkennen und eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

Wenn Sie einen verdächtigen Käfer finden, gehen Sie am besten folgendermassen vor:

Zwei Japankäfer sitzen auf einer Pflanze.
  • Den Käfer einfangen

  • Auf die typischen weissen Haarbüschel am Hinterleib achten

  • Den Käfer unschädlich machen, beispielsweise durch Einfrieren

  • Ein Foto aufnehmen und den genauen Fundort notieren

  • Den zuständigen kantonalen Pflanzenschutzdienst informieren

Wichtig ist vor allem, den Käfer nicht unbeobachtet zu lassen oder wieder freizusetzen, da bereits einzelne Tiere zur weiteren Ausbreitung beitragen können.

Eine Übersicht der zuständigen Meldestellen aller Kantone finden Sie auf der Website des Bundesamts für Landwirtschaft: Meldestellen Japankäfer

Gemeinsam gegen die Ausbreitung

Der Japankäfer stellt durch sein hohes Schadpotenzial eine ernstzunehmende invasive Art dar. Um eine weitere Ausbreitung möglichst zu verhindern, sind frühe Erkennung und konsequente Meldungen besonders wichtig.

Gerade in Befallsgebieten und Pufferzonen ist es entscheidend, die geltenden Vorgaben und Einschränkungen einzuhalten. Bereits kleine Nachlässigkeiten können dazu beitragen, dass sich der Käfer weiter ausbreitet.

Deshalb spielen neben den Behörden vor allem auch Privatpersonen eine wichtige Rolle bei der Eindämmung des Japankäfers. Fragen Sie bei Verdacht immer bei den zuständigen Behörden nach! So können Sie die Integrität unseres Ökosystems nachhaltig schützen.

Mehr zum Thema

Invasive Insekten in der Schweiz

Im Rahmen der SRF-Sendung "Einstein" wurden wir bei einer Tigermücken-Bekämpfung begleitet. Dabei stehen auch der Japankäfer und seine zunehmende Ausbreitung in der Schweiz im Fokus.

Mehr zu invasiven Insekten
Eine Tigermücke, welche einen Menschen sticht.