Herbstliche Besucher: Wanzen an Haus und Fassade
Wanzen gehören zu den Insekten, die im Herbst häufig an Hauswänden oder gelegentlich in Innenräumen zu sehen sind. Besonders bekannt dafür sind die sogenannten Baumwanzen, auch Stinkwanzen genannt, da sie durch ihr charakteristisches Stinksekret auffallen.
Wanzen leben draussen auf Bäumen, Sträuchern und anderen Pflanzen. Auf der Suche nach einem geeigneten Überwinterungsplatz können sie sich manchmal in Häuser verirren. Sie können sich aber dort nicht vermehren und sterben in der Regel schnell ab.
Wissenswertes über Wanzen
Wanzen gehören zur Ordnung der Heteroptera und sind in der Schweiz mit zahlreichen Arten verbreitet. Ihr Körper ist plump, schildförmig und zwischen 10 und 30 Millimeter lang. Besonders auffällig bei vielen Arten ist das Scutellum, ein verhärtetes Schildchen auf dem Rücken, dessen Funktion vor allem der Schutz der Flügelansätze und des Rückens ist.
Viele Wanzenarten können fliegen. Manche sind dabei flink und leise unterwegs, während andere eher schwerfällig wirken und dabei ein deutlich hörbares Summen erzeugen. Alle Wanzen besitzen ausserdem stechend-saugende Mundwerkzeuge, den sogenannten Stechrüssel, mit dem sie Blätter, Triebe und Früchte anstechen, um Pflanzensaft aufzunehmen. Manche Arten sind zudem räuberisch und fressen auch kleine Insekten.
Die Baumwanzen (Pentatomidae) gehören zu den bekanntesten Familien innerhalb der Wanzen und werden umgangssprachlich häufig als "Stinkwanzen" bezeichnet. Der Name kommt von den Stinkdrüsen, die viele Arten besitzen. Wenn sich die Tiere bedroht oder gestört fühlen, geben sie ein stark riechendes Sekret ab, das Fressfeinde oder Gefahr abschrecken soll.
FAQ
Fragen und Antworten über Wanzen
Sind Wanzen gefährlich für Menschen?
Die meisten Wanzenarten, die in der Schweiz vorkommen, sind für den Menschen ungefährlich. Sie beissen nicht, stechen nicht und übertragen keine Krankheiten. Einzig ihr Stinksekret kann unangenehm werden, ist aber nicht schädlich.
Einzelne Wanzenarten, wie die räuberisch lebende Kotwanze (Reduvius personatus), können in seltenen Fällen bei direktem Anfassen oder starkem Bedrängen versehentlich stechen. Diese Stiche sind schmerzhaft, aber medizinisch unproblematisch.
Einen äusserst unangenehmen Verwandten gibt es jedoch: Die Bettwanzen. Diese sind zwar ebenfalls keine Krankheitsüberträger, können aber sehr lästig werden und die Lebensqualität von Menschen stark beeinträchtigen. Haben Sie Verdacht auf Bettwanzen, stehen wir Ihnen vollumfänglich zur Seite.
Welche Wanzenarten kommen in der Schweiz am häufigsten vor?
In der Schweiz sind vor allem folgende Arten weit verbreitet:
Graue Gartenwanze (Rhaphigaster nebulosa)
Grösse: 14 – 16 mm
Farbe und Muster: Schmutzig graugelb bis braun, Oberseite unregelmässig punktiert, Unterseite mit langem Dorn zwischen den Hüften. Kann leicht mit der Marmorierten Baumwanze (Halyomorpha halys) verwechselt werden.
Lebensweise: Phytophag (pflanzensaugend) auf Laubgehölzen, gelegentlich auch tote Insekten. Tagaktiv und wärmeliebend.
Verbreitung: Heimisch und in der ganzen Schweiz häufig. Im Herbst regelmässig in Häusern anzutreffen.
Besonderheiten: Begrenzte Flugfähigkeit, schwerfälliger Flug mit hörbarem Summton.
Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys)
Grösse: 12 – 17 mm
Farbe und Muster: Ockerfarben mit schwarzen Punkten, rechteckiger Kopf und blattförmiger Körper, Antennen mit weiss-dunklem Ringelmuster, Scutellum mit fünf hellen Schwielen.
Lebensweise: Polyphag an über 300 Pflanzenarten, darunter Obst, Gemüse und Zierpflanzen. Aktiv ab etwa 10 °C.
Verbreitung: Invasive Art, ursprünglich aus Ostasien. In der Schweiz zunehmend verbreitet, besonders im Mittelland. Oft in Häusern anzutreffen.
Besonderheiten: Bedeutender landwirtschaftlicher Schädling. Saugrüssel enthält enzymhaltigen Speichel, der Pflanzengewebe schädigt und Krankheiten übertragen kann.
Rotbeinige Baumwanze (Pentatoma rufipes)
Grösse: 13 – 15 mm
Farbe und Muster: Im Sommer bronzefarben, im Herbst dunkelbraun. Halsschildseiten stark nach oben gebogen, Scutellumspitze leuchtend orange, Beine rotbraun.
Lebensweise: Saugt bevorzugt an Baumfrüchten, seltener auch an Insekten. Lebt meist in Baumkronen.
Verbreitung: Heimisch in der Schweiz. Besonders in Wäldern, Parks und Gärten verbreitet. Kann vereinzelt in Häuser gelangen, meist nachts durch Anflug auf Lichtquellen.
Besonderheiten: Bei Massenauftreten können Obstfrüchte leicht beschädigt werden.
Grüne Stinkwanze (Palomena prasina)
Grösse: 12 – 14 mm
Farbe und Muster: Im Frühling bis Sommer grün, im Herbst braun bis rotbraun. Feine dunkle Punktierung, Scutellum gleichfarbig. Breiter, ovaler Körper.
Lebensweise: Polyphag an Laubgehölzen, Gebüschen, Brennnesseln und Disteln.
Verbreitung: Heimisch und sehr häufig in der Schweiz. Wird aber vergleichsweise selten gesehen, da sie sich überwiegend in der Vegetation aufhält. Kommt nur selten in die Nähe des Menschen und in Häuser.
Besonderheiten: Bei grossen Populationen können leichte Pflanzenschäden entstehen, meist jedoch unproblematisch.
Grüne Reiswanze (Nezara viridula)
Grösse: 11,5 – 16,5 mm
Farbe und Muster: Meist einheitlich grün, Scutellum mit 3 – 5 weissen Punkten. Zahlreiche Farbvarianten bekannt. Breiter, ovaler Körper.
Lebensweise: Polyphag an über 30 Pflanzenfamilien, besonders an Gemüse, Obst und Zierpflanzen.
Verbreitung: Wärmeliebende, invasive Art, ursprünglich aus Ostafrika. In der Schweiz bisher regional und klimatisch begrenzt, lokal zunehmend. Ausbreitung wird durch den Klimawandel (mildere Winter und höhere Durchschnittstemperatur) begünstigt. Kann vereinzelt in Häuser gelangen, tritt dort jedoch selten auf.
Besonderheiten: Bedeutender landwirtschaftlicher Schädling. Überträgt Pilzkrankheiten auf Pflanzen. Einstichstellen an Früchten führen zu dunklen Flecken, junge Früchte sterben häufig ab. Besonders im Gemüse- und Obstbau kann sie zunehmend Probleme verursachen.
Gemeine Feuerwanze (Pyrrhocoris apterus)
Grösse: 9 – 12 mm
Farbe und Muster: Auffallend durch ihre markante rot-schwarze Färbung und das dazugehörige Muster auf dem Hinterleib.
Lebensweise: Ernährt sich primär von herabgefallenen Samen (besonders Linden- und Malvensamen), kann aber auch andere Insekten und deren Eier fressen.
Verbreitung: In der Schweiz weit verbreitet. Im Sommer sind sie primär auf Bäumen zu finden, im Herbst können sie auch am Boden angetroffen werden (besonders nach dem Laubfall). Verirren sich im Frühjahr oft in Wohnungen, sterben dort allerdings schnell ab.
Besonderheiten: Ist weder Pflanzen- noch Hygieneschädling, also für den Menschen vollkommen ungefährlich. Werden bereits relativ früh aktiv (Ende Februar).
Kot- oder Staubwanze / Maskierter Strolch (Reduvius personatus)
Grösse: 16 – 30 mm
Farbe und Muster: Dunkelbraun bis schwarz, langgestreckter Körper. Nymphen sind ursprünglich hell gefärbt, bekleben sich jedoch aktiv mit Staub und Schmutz aus ihrer Umgebung, um sich zu tarnen. Sehen aus wie ein Klumpen Dreck.
Lebensweise: Räuberisch lebend, machen Jagd auf andere Arthropoden wie Fliegen, Spinnen und gelegentlich auch Bettwanzen.
Verbreitung: Heimisch und weit verbreitet in der Schweiz, jedoch meist unauffällig. Selten in Häusern anzutreffen.
Besonderheiten: Kann bei direktem Anfassen oder Bedrängen stechen. Der Stich ist schmerzhaft, aber ungefährlich. Keine Krankheitsübertragung.
Birkenwanze (Kleidocerys resedae)
Grösse: 4 – 6 mm
Farbe und Muster: Rötlichbraun bis gelbbraun, schlanker Körper, relativ lange Fühler.
Lebensweise: Phytophag, bevorzugt Samen und Pflanzenteile von Birken, Erlen und Ebereschen (daher der Name). Seltener auch räuberisch.
Verbreitung: Heimisch und häufig in der Schweiz, besonders in der Nähe von Birken. Zur Überwinterung gelegentlich auch in der Wohnung.
Besonderheiten: Tritt teilweise massenhaft auf, der übelriechende Geruch des ausgesonderten Wehrsekrets ist dann bereits aus grosser Distanz wahrnehmbar.
Amerikanische Zapfenwanze (Leptoglossus occidentalis)
Grösse: 15 – 20 mm
Farbe und Muster: Rotbraun, auffällige weisse Zickzack-Zeichnung auf den Flügeln. Hinterbeine mit charakteristisch verbreiterten Schienen.
Lebensweise: Phytophag an Nadelbäumen. Saugt an Nadeln, Blüten, Samen und Zapfen, vor allem an Kiefern und Douglasien.
Verbreitung: Invasive Art aus Nordamerika, in der ganzen Schweiz etabliert. Im Herbst häufig an Gebäuden und in Innenräumen anzutreffen.
Besonderheiten: Guter Flieger. Ihr Abwehrsekret wird oft beschrieben als Mischung aus Nadelbaum, Zitrone und Apfel. Der Geruch ist zwar stark, aber nicht unangenehm.
Platanennetzwanze (Corythucha ciliata)
Grösse: 3 – 3,5 mm
Farbe und Muster: Weisslich bis hellgrau, netzartig strukturierte Flügel, flacher Körper.
Lebensweise: Saugt an den Blättern von Platanen. Eier werden auf der Blattunterseite abgelegt.
Verbreitung: Invasive Art, ursprünglich aus Nordamerika. In der Schweiz vor allem in Städten verbreitet, überall dort, wo Platanen wachsen.
Besonderheiten: Kann bei starkem Befall zu Vergilbung und vorzeitigem Blattfall führen. Treten teils massenhaft auf und werden durch den Wind verbreitet. Gute Flieger.
Wie kommen Wanzen ins Haus?
Wanzen suchen im Spätsommer und Herbst nach einem geschützten Ort, um dort den Winter zu überstehen. Bei sinkenden Temperaturen und kürzeren Tagen legen sie nämlich eine Diapause ein. Das ist eine Art Winterschlaf, bei dem sich ihre Aktivität und ihr Stoffwechsel stark verlangsamen. Diese Pause wollen sie daher an einem sicheren und trockenen Ort verbringen.
In der Natur verstecken sie sich unter Baumrinden, zwischen Moos oder Laub. Auch in der Nähe von Menschen nutzen sie geschützte Stellen wie Ecken an Fassaden, Fensterrahmen oder Balkone, um der Kälte und dem Wind zu entgehen. Auf dem Weg dorthin gelangen sie manchmal versehentlich durch offene Fenster, Türen oder Lüftungsschlitze in Innenräume.
Einige Arten, etwa die Feuerwanzen, sammeln sich im Frühjahr bevorzugt an sonnenbeschienenen Fassaden und gelangen dabei gelegentlich unbeabsichtigt in Gebäude.
Kommt eine Wanze ins Haus, ist das also ein Versehen. Wohnungen bieten weder Nahrung noch geeignete Bedingungen für die Tiere. Sie können sich drinnen nicht vermehren und halten sich meist nur kurzzeitig auf, bis sie wieder ins Freie gelangen oder sterben.
Was mache ich, wenn ich Wanzen im Haus habe?
Es kann vorkommen, dass sich eine oder mehrere Wanzen ins Haus verirren. Das ist jedoch kein Grund zur Sorge. Die meisten bei uns vorkommenden Wanzenarten sind für Menschen harmlos und sind selbst lieber draussen.
Vorsichtig entfernen: Mit einem Glas und einem Stück Papier lassen sich die Wanzen gut aufsammeln und wieder nach draussen setzen. Bei grösserem Auftreten kann ein Staubsauger nützlich sein.
Nicht zerdrücken: Fühlen sich Wanzen bedroht, sondern viele Arten ein charakteristisches Wehrsekret ab. Wer unangenehme Gerüche vermeiden möchte, sollte die Tiere daher nicht zerdrücken.
Keine Insektizide: Der Einsatz von Insektiziden ist unserer Meinung nach nicht sinnvoll. Da sich die Wanzen nur zufällig und aus Versehen ins Innere verirren, wird das Applizieren von Insektiziden keine grosse Wirkung zeigen.
Damit Wanzen gar nicht erst ins Haus gelangen, können Sie folgende Massnahmen ergreifen:
Fenster, Türen und Rollladenkästen geschlossen halten oder abdichten
Fliegengitter an Fenstern anbringen (unser Partner Semofix hilft Ihnen gerne weiter)
Abends beim Lüften Lichtquellen ausschalten, da manche Wanzen vom Licht angezogen werden
Ritzen oder Spalten an der Gebäudefassade abdichten
Sind Wanzen schädlich für Pflanzen in meinem Garten?
Ob Wanzen für Pflanzen problematisch sind, hängt von der Art und vom Auftreten ab. Die meisten heimischen Arten verursachen nur geringe oder gar keine Schäden im Garten. Sie saugen zwar an Blättern, Trieben oder Früchten, doch bei vereinzeltem Auftreten bleibt dies in der Regel folgenlos.
Einige Arten, insbesondere invasive Wanzen, können bei starkem Auftreten jedoch ernsthafte Schäden verursachen. Die Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys) saugt an Früchten, Knospen und jungen Pflanzenteilen, wodurch sich eingezogene oder verformte Stellen bilden, die die Früchte ungeniessbar machen. Sie befällt viele Pflanzen, darunter Äpfel, Birnen und Kirschen sowie verschiedene Obst- und Beerensorten, und kann besonders bei starkem Auftreten Ertragsverluste verursachen.
Die Grüne Reiswanze (Nezara viridula) ist ebenfalls invasiv und verursacht ähnliche Schäden. Befallene Pflanzen zeigen Wachstumsstörungen und Früchte sind oft ungeniessbar. Sie befällt eine breite Palette von Kultur- und Zierpflanzen, darunter Soja, Mais, Tomaten, Paprika und Obstbäume. Sowohl im eigenen Garten als auch in der Landwirtschaft kann sie so also grobe Schäden bewirken.
Die Platanennetzwanze (Corythucha ciliata) tritt in Städten an Platanen teils massenhaft auf und kann dabei Pflanzen beeinträchtigen. Durch ihre Saugtätigkeit entziehen die Wanzen Chlorophyll, wodurch die Blätter helle Flecken zeigen, vergilben und vorzeitig abfallen können. Bei mehrjährigem starkem Befall kann dies sogar zum Absterben der Bäume führen. Zudem können die Kottröpfchen der Wanzen auf darunterstehende Autos fallen und Lackschäden verursachen. Für Menschen ist die Art harmlos, kann aber bei Massenbefall sehr lästig sein, da die Tiere und ihre Ausscheidungen auf Tische, Getränke oder Personen fallen können.
In den allermeisten Fällen ist jedoch kein Eingreifen nötig. Einzelne Tiere können vorsichtig von Hand abgesammelt und nach draussen gesetzt werden. Auch das Abspritzen der Pflanzen mit Wasser kann helfen, die Wanzen zu vertreiben. Bei empfindlichen Kulturen oder wiederholtem starken Auftreten können Kulturschutznetze oder Vliese für Ihren Garten sinnvoll sein. Grundsätzlich aber gilt: Wanzen sind Teil des natürlichen Ökosystems, und nur bei ausgeprägtem Massenauftreten besteht überhaupt Handlungsbedarf.
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