10 Februar 2026 · Aebischer Sofie
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Fledermäuse gehören zu den faszinierendsten Tieren unserer Tierwelt. Als nachtaktive Insektenjäger leisten sie einen wichtigen Beitrag zum ökologischen Gleichgewicht. Trotz ihres hohen Schutzstatus sind heute fast alle Arten in der Schweiz gefährdet.
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Fledermäuse sind die einzigen Säugetiere, die aktiv fliegen können, und existieren bereits seit rund 50 Millionen Jahren. Ihre Flügel funktionieren wie Hände: Stark verlängerte Fingerknochen sind von einer dünnen Hautmembran überspannt, während der kurze, freie Daumen beim Festhalten oder Klettern hilft. Daher stammt auch ihr wissenschaftlicher Name Chiroptera, was übersetzt "Handflügler" bedeutet.
Die Tiere sind nachtaktiv und verbringen den Tag in geschützten Quartieren, die Wärme und Sicherheit bieten. Ab etwa April werden sie nach dem Winterschlaf wieder aktiv und kehren in ihre Sommerquartiere zurück. Zwischen Mai und August nutzen sie daher warme Orte wie Dachböden, Scheunen oder Felsspalten.
In dieser Zeit bilden die Weibchen Wochenstuben, in denen sie ihre Jungen aufziehen. Meist bringt ein Weibchen pro Jahr ein Jungtier zur Welt, das mehrere Wochen gesäugt wird und im Laufe des Sommers lernt, zu fliegen und selbstständig Insekten zu jagen.
Ab September beginnen die Fledermäuse, sich auf den Winter vorzubereiten. Sie fressen sich Energiereserven an und wechseln in kühle Winterquartiere wie Keller, Stollen oder Höhlen. Dort halten sie von Oktober bis März Winterschlaf. In dieser Zeit kann ihre Atemfrequenz auf nur zwei Atemzüge pro Stunde sinken.
In der Schweiz leben rund 30 Fledermausarten, weltweit sind es über 1'500. Zu den hierzulande relativ weit verbreiteten Arten zählen unter anderem diese drei:
Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus): Die kleinste und häufigste Fledermausart der Schweiz. Sie lebt oft in Siedlungen, jagt kleine Insekten im Flug und nutzt Spalten an Gebäuden oder Fledermauskästen als Quartier.
Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii): Eine weit verbreitete Art, die besonders im Herbst und Winter auffällt. Sie nutzt Baumhöhlen, Holzbeigen oder geschützte Gebäudestrukturen als Ruhequartiere und ist für ihre saisonale Wanderung bekannt.
Braunes Langohr (Plecotus auritus): Ein typischer Waldbewohner mit sehr langen, auffälligen Ohren, der aber auch in Siedlungen vorkommt. Er jagt vor allem grössere Insekten in ruhigen, strukturreichen Lebensräumen.
Fledermäuse besitzen einige aussergewöhnliche Eigenschaften. Besonders bekannt ist ihre Fähigkeit, sich auch in völliger Dunkelheit sicher zu orientieren. Mithilfe der sogenannten Echoortung senden sie hochfrequente Ultraschallaute aus, die für den Menschen nicht hörbar sind. Diese Schallwellen werden von Objekten und Beutetieren zurückgeworfen und als Echo wieder aufgenommen. So können Fledermäuse selbst kleinste Insekten im Flug jagen.
Entgegen eines weit verbreiteten Mythos sind Fledermäuse nicht blind. Sie sehen durchaus gut, insbesondere bei Dämmerung und schwachem Licht. Erst die Kombination aus Sehen und Echoortung ermöglicht es ihnen, nachts aktiv zu sein und Lebensräume zu nutzen, in denen andere Tiere kaum zurechtkommen.
Typisch für Fledermäuse ist ausserdem, dass sie kopfüber hängen, wenn sie ruhen oder schlafen. Ihre Krallen und Sehnen sind so aufgebaut, dass sie sich ohne Muskelkraft festhalten können. Diese Haltung bietet mehrere Vorteile: An Decken von Höhlen oder unter Dächern sind sie für bodennahe Fressfeinde schwer erreichbar, sparen Energie und können sich bei Gefahr direkt fallen lassen und in den Flug übergehen. Ein speziell angepasster Kreislauf sorgt zudem dafür, dass sie problemlos längere Zeit kopfüber hängen können, ohne dass sich Blut im Kopf staut.
Fledermäuse spielen eine wichtige Rolle in unseren Ökosystemen. Als Insektenfresser fressen sie jede Nacht Tausende von Mücken, Wanzen, Nachtfaltern und anderen Insekten. Auf diese Weise helfen sie, die Natur im Gleichgewicht zu halten, und wirken wie eine natürliche Schädlingsbekämpfung.
Obwohl alle Fledermausarten in der Schweiz bundesrechtlich geschützt sind, sind fast alle auch gefährdet. Die wichtigsten Gründe sind:
Verlust von Quartieren: Fledermäuse sind bei der Wahl ihrer Quartiere sehr wählerisch. Dachausbauten, Renovationen oder Gebäudesanierungen zerstören oft jahrzehntelang genutzte Plätze, wodurch es für die Tiere schwierig wird, Ersatzquartiere zu finden.
Mangel an Nahrung: Durch intensive Landwirtschaft, häufiges Mähen und den Rückgang artenreicher Wiesen stehen immer weniger Insekten zur Verfügung. Damit fehlt den Tieren ihre wichtigste Nahrungsquelle.
Pestizideinsatz: Chemische Mittel reduzieren nicht nur die Zahl der Beutetiere, sondern können Fledermäuse auch direkt schädigen, wenn sie belastete Insekten fressen.
Lichtverschmutzung: Künstliches Licht stört Fledermäuse stark. Viele Arten meiden beleuchtete Gebiete, wodurch ihre Lebensräume fragmentiert und Flugkorridore unterbrochen werden. Manche Arten jagen zwar direkt am Licht, doch viele Insekten werden im Lichtkegel angelockt und sterben dort, bevor sie gefressen werden können. Zudem stört helles Licht die innere Uhr und Orientierung der Tiere.
Es gibt viele Dinge, die jede Person ganz einfach tun kann, um Fledermäuse zu unterstützen und ihre Lebensräume zu erhalten:
Fledermauskästen montieren
Diese bieten wertvolle Ersatzquartiere, wenn natürliche Plätze fehlen. Die Kästen können Sie an Ihrer Fassade oder auch im Garten oder im Wald platzieren. Weitere Informationen finden Sie hier: Fledermauskästen montieren
Quartiere bewahren
Alte Dachböden, Scheunen und Baumhöhlen ungestört lassen. Bei Renovationen frühzeitig Fachpersonen einbeziehen. Fledermäuse richten keine Schäden am Haus an und sind daher keine unangenehmen Mitbewohner.
Lebensräume fördern
Vielseitige Gärten, Hecken, Wiesen oder Feuchtgebiete liefern Nahrung, Wasser und wichtige Flugkorridore.
Insektenfreundlich gärtnern
Auf Pestizide verzichten und einheimische Pflanzen fördern. Daran erfreuen sich nicht nur Fledermäuse, sondern auch weitere Mitbewohner im Garten, wie Igel, Bienen, Hummeln und diverse Insekten.
Licht reduzieren
Künstliche Beleuchtung nur dort einsetzen, wo sie unbedingt nötig ist, damit Fledermäuse ungestört jagen und fliegen können.
Acht geben bei Scheiterhaufen
Einige Fledermausarten überwintern gerne in Scheiterhaufen. Geben Sie acht, wenn Sie Holzstücke ins Haus bringen, ob sich daran nicht noch eine Fledermaus befindet.
Auch wenn Fledermäuse in Europa kein Blut saugen und sehr friedlich sind, können sie bei direktem Kontakt mit dem Menschen eine gewisse Gefahr bergen. In seltenen Fällen können Fledermäuse die Fledermaustollwut an den Menschen übertragen, die unbehandelt nach Ausbruch der Symptome tödlich verläuft.
Eine Ansteckung erfolgt fast ausschliesslich durch einen Biss. Solange ein direkter Kontakt mit den Fledermäusen vermieden wird, geht von den Tieren kein Risiko aus. Falls Sie eine Fledermaus in die Hand nehmen wollen (bspw. bei Rettungsversuchen) also unbedingt Handschuhe tragen!
Falls Sie von einer Fledermaus gebissen wurden, empfehlen wir in jedem Fall einen Besuch bei einem Arzt oder einer Ärztin. Glücklicherweise verbreitet sich die Fledermaustollwut (wie alle andere Lyssaviren) sehr langsam im Körper, womit Sie die Risiken mit einer Tollwut-Impfung abwenden können.
Wenn Sie eine lebende Fledermaus finden (zum Beispiel von der Katze gebracht oder verletzt aufgefunden) sollten Sie sie nicht mit blossen Händen anfassen, da Fledermäuse in seltenen Fällen Krankheiten übertragen können. Am besten verwenden Sie Handschuhe und kontaktieren unbedingt die Stiftung Fledermausschutz!
Die ExpertInnen beraten fachlich, kümmern sich um das Tier und sorgen dafür, dass es bestmöglich versorgt wird. Auf der Website der Stiftung finden Sie zudem umfassende Informationen, praktische Tipps und Ansprechpartner, die zeigen, wie Fledermäuse effektiv geschützt und unterstützt werden können.